Abgesang

Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elisium,
Wir betreten feuertrunken
Himmlische, dein Heiligthum.
Deine Zauber binden wieder,
was der Mode Schwerd getheilt;
Bettler werden Fürstenbrüder,
wo dein sanfter Flügel weilt.

Freude. Hoffnung. Elysium.

Man möchte meinen im Entstehungsjahr der Ode, 1785, flogen Brathähnchen und gebackene Tauben in die Münder der zeitgenössischen Dichter und Denker. Ein Text, der mit derartiger Inbrunst die Schöpfung und das Leben feiert, muss doch aus einer Zeit der Füllhörner von Nektar und Ambrosia stammen. Eher nicht. Ob die prärevolutionäre Euphorie der 1780er Jahre allein für derartige Höhenflüge Friedrich Schillers verantwortlich waren, oder ob andere Substanzen im Spiel waren, ist nicht überliefert. Wie dem auch sei, der Herr und Schöpfer der bedichteten [männlichen] Schöpfung, war wohl weniger amüsiert und schickte einen, geschätzt 4.500.000.000 Jahre alten, Chondrit gen Erde, auf dass er Schillers Haupte treffe und er derlei Unfug zukünftig unterlassen möge. Freude – pfff! Leider schien auch der Vater Aller zu viel vom Nektar genascht zu haben – er verfehlte sein Ziel. Statt diesem Spötter die Hirnplatte in die tiefer Gefilde seiner Biomasse zu drücken,

„schlug der Meteorit in einen Ziegelstadel ein, der mit einer kleinen Ziegelei verbunden war. Ein Knecht schnitt im Stadel Stroh, als er einen Donner hörte. Er lief zur Tür und sah einen Stein herabfallen, der zwei bis drei Meter entfernt von der Ziegelhütte niederging. Der Stein zerschmetterte die dick unter Schnee begrabenen, fertig gestapelten Ziegel. Der Knecht musste ihn abkühlen lassen, bis er ihn halten konnte. Nach Begutachtung und ausführlicher Beschreibung des Falles durch den Eichstätter Physiklehrer Ignaz Pickel wurde der Meteorit noch 1785 in Teile zerschlagen und in der ganzen Welt verteilt. Die größten, heute noch erhaltenen Stücke befinden sich in Wien (123 Gramm), Zürich (106 Gramm), Gifhorn (73 Gramm) und London (43 Gramm). Die restlichen 23 Exemplare bringen zusammen nur 133 Gramm auf die Waage und sind unter anderem in Paris, New York, Cambridge, Stockholm, Prag und Kalkutta aufbewahrt.“

Da haben wir es, Schiller hat die Globalisierung eingeleitet; mit seiner verdammten Ode an die gottverdammte Freude.

Wir betreten feuertrunken
Himmlische, dein Heiligthum.

Dabei hatte uns fehlgeleitete Menschen Jehova eigens aus dem Paradies verbannt und nun sinnierte dieser nichtsnutzige Arzt, Dichter, Philosoph und Historiker über Freude?! Mögen Olivin, Pyroxen und Plagioklas diesen Frevler zum Verstummen bringen! Gut, auf gefühlte 70.000.000.000.000 km Entfernung kann man sein Ziel schon mal verfehlen. Der Einschlag, gute 300 km Süd-Südwestlich von Schillers Aufenthaltsort Gohlis, war auf diese Distanz also eine reife Leistung, besonders wenn man die damaligen zur Verfügung stehenden Mittel betrachtet! Da war nix mit „eben mal durchs Hubble schauen“, nicht mal ein Feldstecher war griffbereit. El Olam hatte also siegessicher über den dicken, gelben Daumen gepeilt und versagt. Aus lauter Verzweiflung über diesen Faux-Pas, stürzte er sich in eine Jahrtausende währende „Meditation der Raute“, die noch heute anhält und eine wachsende Zahl an Nachahmern findet.

Bildergebnis für simpsons gott
The Simpsons, Fox Broadcasting Company

Wo war ich stehengeblieben? Globalisierung! Gut, wir kennen nun den Schuldigen und wissen, dass sich Dr. M. göttlicher Mächte bedient, aber wozu das alles?

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