Ben Carson

Ben „forceps“ Carson, wurde September 18th, 1951 als Nachfahre „freiwilliger Einwanderer“ in einem Detroiter Ghetto auf die Welt gesogen. Keine 66 Jahre später, glänzt er mit derlei Aussagen:
„Da waren andere Einwanderer, die im Bauch von Sklavenschiffen hierhin kamen, sogar länger arbeiteten, sogar härter für weniger“, sagte Carson, […] Auch diese Menschen hätten „einen Traum“ gehabt, dass ihre Nachkommen nach „Wohlstand und Glück in diesem Land“ streben, sagte Carson. „Das ist Amerika: ein Land der Träume und Chancen.“
Länger und härter, für weniger!? Streben nach Wohlstand und Glück!? Ja, der Mann sprach über afrikanische Sklaven, die in die USA „immigriert“ sind. Eigentlich könnte ich den Blog-Post nun beenden und dieses Zitat für sich wirken lassen.

Also zur Person Ben Carson: Er ist pensionierter Neurochirurg (und offensichtlich der erste Mensch, dem es gelungen ist eine offene Hirn-OP an der eigenen Hauptplatine durchzuführen – doch dazu gleich mehr). 2016 stand er als Bewerber für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten im Rampenlicht und fiel mir das erste Mal auf, als er gefragt wurde, ob er, als möglicher US-Präsident – auf gut Deutsch gesagt – die Eier hätte, Luftschläge zu befehlen, die womöglich (u.a.) tausenden Kinder das Leben kosten könnten. Nun muss man wissen, dass Ben Carson tatsächlich eine Art Koryphäe in der Neurochirurgie ist; spezialisiert auf Kraniopagus-Patienten – im Volksmund als Siamesische Zwillinge bekannt. Bereits 1987 gelang es ihm, am Kopf verwachsene Zwillinge erfolgreich zu trennen. Gut, Benjamin und Patrick verließen das Krankenhaus geistig behindert, aber das kann und will ich Herrn Carson nicht vorwerfen. 1994 wiederholte er eine derartige OP, Mahlatse und Nthabiseng verstarben aber leider kurz darauf, da ihre körperliche Verbindung symbiotisch war und die Trennung beiden die Überlebenschancen nahm. 1997 glückte dann eine Kraniopagus-OP. Joseph und Luka überlebten die Trennung ohne geistige Behinderung. Ein Novum, eine medizinische Sensation! Im neuen Jahrtausend war er Teil eines Teams, das zwei Erwachsene (Ladan & Laleh Bijani) trennen wollte. Was schon im Vorfeld als risikoreich galt, scheiterte nach 50 Stunden Operation am hohen Blutverlust der Patienten. Ein Jahr später trennten er und sein Team Lea und Tabea Block. Tabea überlebte die Operation nicht, Lea aber kann, nach zeitweiliger Blindheit, ein eingeschränkt normales Leben führen.
Bei all diesen Fällen unterscheiden sich die Grundvoraussetzungen teils erheblich. Alter, geteilte Organe, Konstitution und andere Parameter sind weitreichende Einflussfaktoren auf die Erfolgswahrscheinlichkeit eines solchen Eingriffes. Eine derartige Entscheidung zu treffen, wünscht man wohl nicht seinem ärgsten Feind.
Doch zurück zur Frage, die Herrn Carson Mitte Dezember 2015 auf der „Fifth Republican Debate“, Teil des Vorwahlkampf der Republikaner, in Las Vegas gestellt wurde.
Der anwesende Moderator, Hugh Hewitt (fast ein Artikel für sich ^^) sprach über Carsons Karriere als Kinderneurochirurg und seine für viele Menschen inspirierende Lebensgeschichte, um dann zur Frage zu kommen, ob Carson die notwendige Härte besäße, als Commander-in-Chief (US-Präsident) tödliche Luftschläge anzuordnen, ob er mit „ruthless things like carpet bombing“ (und derlei feuchter Männerträumen eines Militärs) und dem damit verbundenen Tod tausender unschuldiger Kinder und Zivilisten klar kommen würde. Und Carson antwortet – und wie:
Wow! Hart aber ehrlich! Doch der Moderator hakt nach: “ So you’re OK with the death of thousands of innocent children and civilians. It’s like…“ Das Publikum begann zu buhen! sic! Und Carson antwortet lapidar: „You got it!“ Das Publikum buht diese infame Frage immer noch aus… doch Hewitt bleibt am Ball: „Can you be as ruthless as Churchill was and prosecuting the war against the Nazis?“
Carsons Antwort stellt für mich die Essenz des republikanischen Selbstverständnisses und Weltbildes dar:
„Ruthless is not necessarily the word I would use, but tough, resolute, understanding what the problems are, and understanding that the job of the president of the United States is to protect the people of this country and to do what is necessary in order to get it done.“
Fassen wir zusammen: Für Ben Carson sind Afroamerikaner die Nachfahren von Einwandenderen die in (Sklaven)Schiffen in die USA kamen.
Für Ben Carson sind Zivilisten & Kinder, die im Nahen Osten durch US-Luftschläge (o.ä.) getötet werden, gleichzusetzen mit Gehirntumoren, die man für das US-Amerikanische Gemeinwohl töten kann/darf/muss – eine notwendige Operation eben.
Für Carson lebt der „American Dream“ noch. Doch, wäre jemand wie Trump Präsident, wenn es diesen Traum tatsächlich noch gäbe? Dazu kann ich nur auf diesen Blog verweisen. Er ist gut. Er ist sehr, sehr gut!
Warum wärme ich hier alte Kamellen aus 2015 auf? Who the hell is Ben Carson? Ich möchte damit zwei Dinge sagen:
Erstens ist Trump kein Phänomen, kein Einzelfall. Er ist einer von vielen. Einige Kandidaten für für die rep. Präsidentschaftskandidatur lasen sich wie die Wunschbesetzung zur Hauptrolle für einen noch zu drehenden „American Psycho 3“: Ted Cruz, Ben Carson, Donald Trump, Jeb Bush. Einer – in meinen Augen – wahnsinniger als der andere. Mit Ausnahme von dem als „Weichei und Müttersöhnchen“ verschrienen Jeb Bush, ist Trump noch der am wenigsten offen-wahnsinnige der genannten Protagonisten.
Zweitens, ist Ben Carson seit 02.03.2017 Mitglied im Kabinett Trump. Als Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung der Vereinigten Staaten – um genau zu sein. Macht ja Sinn. Oder? Das Sklaven/Migranten-Zitat stammt übrigens aus einer Rede an seine Untergeben im HUD. Guter Start, Herr Carson!

Judge Janine kann man sich auch mal geben… „My resolution? Airstrikes! Bomb them! Bomb them, keep bombing them and bomb them again and again.“:

Fazit: Wahnsinn ist keine Frage des Geschlechts, der Religion oder der Hautfarbe. Wahnsinn. Es gibt Menschen auf diesem Planeten, die kennen den Nahen Osten nicht anders, als im Status Quo. Amerika bombardiert. Und bombardiert. Und bombardiert. Also genau das, was Judge Jeanine fordert. Ich halte es da mit einem angeblichen Zitat von Albert Einstein:

„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten“

So long… keep bombing! 😉

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