Urlaubsgedanken

Es ist heiß, fast schon zu heiß. Also sitze ich im Schatten und scrolle mit dem Daumen durch das, was wir heute Timeline nennen. Ein Artikel des SPIEGEL fängt mein Interesse, ein kurzer Tap öffnet den Link und so beginne ich zu lesen, von „Streit der Ökonomen“ … „Deutschland allein zu Haus“ … „Alte Dogmen ablegen“ … „Auseinanderdriften von Einkommen“ … „Zu viele Verlierer der Globalisierung und Privatsierung“ … „die Amis, die Briten, die „Financial Times“, die Weltbank, der „Economist“, die Bank of England, bei manchen Fragen 90 Prozent der Euro-Zentralbanker, mindestens ein halbes Dutzend Nobelpreisträger, selbst konservative Ökonomen wie Kenneth Rogoff oder Charles Wyplosz, die Spanier, die Grünen, die Österreicher, die Griechen, sogar Chefs deutscher Wirtschaftsforschungsinstitute sowie – Umfragen zufolge – ein Großteil jener Ökonomen, die bei uns jenseits der heiligen Orthodoxie von Sachverständigen, Bundesbank und Ifo-Institut wirken. Also eigentlich die ganze Welt. Gegen uns.“ – Also nicht gegen mich und dich, sondern gegen Schäuble und Co.. Schweiß rinnt mir die Nasenspitze hinab und landet auf meine Schoß. Ich wundere mich über die Standhaftigkeit des ewig sitzenden Mannes, der den „Deutschen Weg“ noch immer für den richtigen hält. Wie lange noch?

Ich schaue ins Grüne, zwei Fliegen streiten sich um den Titel „größte Nervensäge des Tages“: Die eine Fliege fliegt immer und immer wieder gegen die Terrassentür und erzeugt dabei ein bemitleidenswertes, dumpfes Geräusch, während sich die zweite Fliege immer wieder auf mir niederlässt, aber postwenden verjagt wird. Ich grinse in mich hinein, als ich Nr. 1 Wolfgang und Nr. 2 Martin taufe.

Nachtrag: Wer wir sein wollen

Deutsche Klimaziele nur noch mit Liste des Schreckens erreichbar

Aha. Notwendige Veränderungen werden uns als „Liste des Schrecken“ verkauft. Dazu eine Frage: Wie soll man irgendeine Hoffnung auf Besserung konservieren, wenn so mit diesem Thema umgegangen wird?

By the way offenbart das ganze die widerliche Bigotterie der letzten 18 Stunden. Ein Jonald T. Dump wird medial und politisch zerrissen, weil er tut was er immer angekündigt hat – einen großen Haufen auf den Klimaschutz setzen! Unsere Bundesregierung sonnt sich derweil im Lichte des Pariser Klimaschutzabkommens, versagt bei der Umsetzung aber auf ganzer Linie – wo wir wieder bei den Wirtschaftsinteressen sind, die über allem stehen.

Es gibt Tage, da kann ich gar nicht so viel essen wie ich kotzen möchte.

Adieu

Kommentar: Wer wir sein wollen

Okay, ich gebe es zu: Ich war nie auf einer Wellenlänge mit CDU/CSU und obwohl ich vor vielen Jahren den Jusos beigetreten bin, könnte mir die ehem. SPD heute nicht ferner liegen. Beide Volksparteien sind für mich schlicht nicht wählbar. Während einzelne Individuen in der ehem. SPD versuchen Gesicht und Haltung zu wahren,  bringen mich die „Christ“-Demokraten  regelmäßig aus der Fassung. Ich weiß nicht, ob die Parteibeitrittsformulare generell im Vollsuff unterzeichnet werden, aber etwas „christliches“ im Sinne von Nächstenliebe und Co. kann ich bei den öffentlichen Äußerungen von Parteimitgliedern nicht entdecken. Mir scheint fast die Damen und Herren haben einen Wettkampf in „wer bekommt den größten Shitstorm“. Klöckner, Spahn, Tauber, de Maiziere, Kauder, Öttinger, es vergeht kein Tag an dem sie sich menschlich und/oder fachlich für ein politisches (Spitzen-)Amt disqualifizieren. Weiterlesen „Kommentar: Wer wir sein wollen“