Rant: Die Schweineartigen

Rant:

To talk agressivly about somthing. or to take your own tangent about a subject and talk for a long time in a passionate manner.

Schweineartige:

Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Schweineartige (Suina)
Familie: Echte Schweine (Suidae)
Gattung: Sus

Eine kleine Exkursion in die Zoologie: Grundkonzept der zoologischen Systematik nach Carl von Linné, ist „die typologische Definition der Art, das heißt die Reduzierung der Merkmalsfülle auf einige wenige Schlüsselmerkmale und die Abstrahierung von den Variationsmöglichkeiten innerhalb einer Art auf einen Typus. Seine Gruppierung spiegelte für die niedrigen Taxa wie Art und Gattung durchaus ein natürliches System wider. Doch hatte auch Linné bereits erkannt, dass seine Einteilung für höhere Taxa aufgrund der recht willkürlichen Kriterien ein künstliches System blieb. Denn bei alledem ging Linné von der Unveränderlichkeit der Arten aus und beabsichtigte nicht, ein phylogenetisches System zu schaffen. Dieses bot dann später erst Begründung und Maßstab für die Natürlichkeit des Systems.“ Verstanden? Nein? Gut! Ich breche es auf einen einfachen Nenner herunter:

Ich bin Autofahrer, Radfahrer, gelegentlich auch ÖPNV-Nutzer. Ich versuche immer, egal welches Vehikel ich nutze, Rücksicht auf andere Menschen zu nehmen. Einige Dinge, wie z.B. das Aussteigen lassen, bevor man selbst in den ÖPNV einsteigt, habe ich beigebracht bekommen – genau wie die Tatsache, dass man auf der Rolltreppe links geht und rechts steht. Danke Mama, danke Papa! Anderes hat sich mir selbst erschlossen: Wenn ich mit (m)einem vierräderigen Dickschiff unterwegs bin und an meinem Ziel ankomme, stelle ich es so ab, dass es niemanden stört- weder beim fahren, gehen, radeln oder parken, heißt: ich stelle den Hobel ordentlich auf einen Parkplatz. Auf einen und nicht auf zwei, also bündig zur Markierung – nicht diagonal. Ich verstopfe damit auch keinen Radweg oder Behindertenparkplatz; obwohl ich, nach Darwin, alles Recht dazu hätte – sind die beiden doch die letzten in der „Nahrungskette der Transportmittel“, überlasse ich den Sozial-Darwinismus den Profis von der FDP. Warum also mache ich das? Ganz einfach: Weil ich nach einem einfachen Grundprinzip vorgehe:

Ich mache mein Problem nicht zum Problem anderer.

Bedeutet, nur weil ich gerade keinen bequem-nahen Parkplatz finde, oder nur kurz Brötchen, Geld oder Kondome holen will (kurz: Weil ich zu faul bin), oder schlicht zu spät dran und im Stress bin (kurz: Weil ich zu dumm bin), gehe ich meinen unbeteiligten Mitmenschen nicht auf den Sack. Ich breche diesen (wie ich finde) ehrbaren Grundsatz nur unter bestimmten Faktoren: zum Beispiel, wenn ich fast oder gar keinen Puls habe, oder jemand anderes fast oder gar keinen Puls hat und ich ihm oder ihr helfen kann.

Super, oder? Ich hatte noch nie eine mutwillig verursachte Beule oder Kratzer im Lack, habe mich nie um oder wegen eines Parkplatzes gestritten, selbst Hasstiraden auf der Autobahn blieben mir bisher meist erspart, denn: Wir Stachelschweine können uns so verhalten, dass unsere Anwesenheit auf diesem Planeten andere Zeitgenossen nur minimal tangiert. Mitunter werden wir gar nicht wahrgenommen. Leider sind viele Bewohner menschlicher Siedlungen keine Vertreter ebendieser pflegeleichten Hystrix Cristata, sondern mehrheitlicher der Abstammung des „Sus Scrofa„, dem Wildschwein. Diese Gattung zeichnet sich dadurch aus, dass sie im ÖPNV, wo für das Hystrix Cristata wenige bis gar keine Fluchtmöglichkeit bestehen, laute Musik hören oder laut und anhaltend telefonieren – über Themen, die entweder niemanden interessieren oder zumindest niemanden interessieren sollten. Aber was ist schon Privatsphäre in Zeiten von Selbstvermarktung via Instagram & Facebook? Ob die Leute nun hören, mit oder über wen ich mich lauthals bzgl. der vergangenen Trennung, den schlechten Sex,  die stinkenden Socken und den Mundgeruch auslasse, oder ob sie es in meiner Timeline lesen, das ist der Wildsau und dem Wildschwein wurscht.

©The Simpsons, Fox Broadcasting Company

Weil das ja klar ist: Ich besitze ein 1.000-Euro-Apfeltelefon, also ist es mein vom UNHCHR gebilligtes Recht, meiner Umwelt meine subjektivsten und intimsten Wehwehchen mitzuteilen!

Der ungleich unangenehmere Verwandte dieser Gattung, ist das „Sus Pott“ – die Pottsau. Man erkennt sie daran, dass man sie nicht erkennt. Sie sind erstaunlich gut getarnt, in ihrer äußeren Erscheinung weichen sie von ihrer Umgebung kaum bis gar nicht ab und doch bemerkt man ihre Anwesenheit sehr, sehr deutlich. Das ungehörte Ablassen von gasförmigen Verdauungsnebenprodukten, kurz „Flatulenz“, ist ein sicheres Anzeichen ihrer Anwesenheit. Manche behalten ihre ernährungsbedingten Aromen für sich, dafür hapert es, so vermittelt es mir meine olfaktorische Wahrnehmung, an technischen Errungenschaften im eigenen Heim. Fließend Wasser, Seife und Deodorant scheinen sich in weiten Teilen dieser Population nicht verbreiten zu können. Eventuell liegt das darin begründet, dass die Geruchsrezeptoren dieser Gattung verkümmert bzw. nur rudimentär entwickelt sind. Anders lässt es sich nicht erklären, dass Sus Pott bei 40°C seelenruhig in Bus und Bahn s(chw)itzen, während alle anderen nach jedweder Möglichkeit von Frischluft schnappen: Das Öffnen einer Fahrzeugtür in einer sommerlichen Großstadt kann manchmal so befreiend wirken, als hätte man im überfüllten Stadion, eine Dreiviertelstunde in der Toilettenschlange gestanden und dann noch 10 Minuten am klemmenden Hosenlatz gewerkelt. Priceless! Für alles andere gibt es Mastercard!

Eine weitaus seltenere Gattung innerhalb der Familie der „Schweineartigen“ ist das „Sus Dumbo“ – das Elefantenschwein. Diese Vertreter sind überwiegend auf Fern- und Schnellstraßen (kurz: „A“ oder „B“) zu finden. Hier zeichnen sich die älteren Exemplare dadurch aus, dass sie die mittlere oder gar die linke Spur von „A“ bzw. „B“ blockieren, ohne auch nur Notiz von einer freien rechten Spur zu nehmen. In jedem anderen zivilisierten Land dieser Erde wäre das ein kleines Ärgernis, da der Geschwindigkeitsunterschied zwischen den verschiedenen Verkehrsteilnehmern i.d.R. maximal 40 Stundenkilometer beträgt. Nicht so in der  Heimat des Rex Germanico – einer mit Pils und Brät gemästeten Überordnung aus dem Herzen Europas. Hier darf das gemeine Wildschwein noch Wildschwein sein.  Und wenn der vor Glückseligkeit gluckernde V8 auf den rüstigen Astra-Fahrer trifft, entfesselt sich ein Revierkampf, den man nur hier, in der Heimat des Rex Germanico, zu beobachten vermag: Während er sich betont langsam aus dem Windschatten eines  Lastkraftwagen bewegt, erhöht sich der Ruhepuls des Adulten nur leicht, von 80 auf 83 Schläge die Minute, doch beißt das von hinten angepeste, oft unterlegene V8-Wildschwein förmlich ins Lenkrad. Getrieben vom inneren Testosteronstau entweichen wilde Verwünschungen in Richtung des fast getroffenen Dumbo’s, dessen Puls und Wahrnehmung sich bereits auf der Mittelspur eingependelt haben. Selbst der Dackel nickt entspannt auf der Hutablage. Die Wildsau steht ihrem männlichen Pendant hier nur bedingt nach, sie tritt aber nur äußerst selten als V8-Wildsau auf.

In den weiten Winkeln dieser Welt, gibt es eine Gattung, die habe ich selbst noch nie gesehen, wohl aber gehört und, daher weiß ich überhaupt von ihrer Existenz, Spuren gesehen – manche noch ganz frisch, wenige Stunden alt. Da sie in keinerlei Fachliteratur beschrieben wurde, kam ich in den Genuss mir einen Namen auszudenken: „Sus Porzellus Corporati“, kurz Porco! Ich vermute hier eine enge Verwandtschaft mit dem Sus Pott, evtl. handelt es sich sogar um die gleiche Gattung! Das Sus Porzellus Corporati kommt (meiner Erfahrung nach) am häufigsten in Konzernen oder mittelständischen Betrieben jenseits der 30 Mitarbeiter auf. Sein Sehsinn ist außerordentlich beschränkt. Sein Hauptmerkmal erinnert entfernt an die unter Frauen bekannte Krankheit der „Textilblindheit“ – wenn Frau vor dem prall-gefüllten Kleiderschrank steht und doch nichts zum anziehen findet. Denn das Porco ist weder in der Lage eigene Hinterlassenschaften im bzw. am betrieblichen Porzellan, noch, die für solche Fälle vorhandene Klobürste überhaupt wahrzunehmen. Unter allen Schweineartigen ist dieses Exemplar wohl das mysteriöseste und abstoßendste.

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Warum dieser rant? Mir fällt schon immer auf, dass sich einzelne Individuen nicht an die einfachsten gesellschaftlichen Regeln halten. Das ist nicht schön, aber es ist OK. Problematisch wird es, wenn das Verhalten dieser Individuen schule macht und sich immer weniger einen feuchten Dreck darum kümmern, ob ihr eigenes Verhalten gerade reihenweise Anderen auf den Nerv geht oder sie gar benachteiligt bzw. behindert.

In diesem Sinne,

bleibt sauber, freundlich und zuvorkommend, danke!

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