Die Party ist vorbei.

Eine ehrliche Botschaft an unsere Bürgerinnen und Bürger.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

„Nalunaktuq“ ist Inuit und bedeutet „schwer zu verstehen“ – es beschreibt unser aller Problem. Ich stelle mich heute vor die anwesende Presse und deren Kameras, um Ihnen mitzuteilen, dass die Party, auf der unsere Spezies die letzten 150 Jahre tanzte, vorbei ist. Unsere vom stetig steigenden Öl-Konsum in die Hyperaktivität getriebene Gesellschaft ist an ihrer biologischen Grenze angelangt. Wir haben uns maximal vom Gleichgewicht der Natur entfernt und bekommen für diese Dekadenz nun die Rechnung auf dem reichlich gedeckten Tisch serviert.

Das labile Gleichgewicht, das sich in den Erdzeitaltern, unter all den kosmischen und geologischen Einflüssen eingependelt hat, ist aus der trügerischen Ruhe gekommen. Natürlich, das ist immer wieder passiert. Sowas bleibt auf einer winzigen blauen Kugel, die irgendwo in den Weiten Laniakeas um einen kleinen gelben Feuerball kreist, nicht aus. Und doch ist es, nach allem was wir wissen, dieses Mal anders.
Es ist kein „Pech“ oder „Unglück“. Es ist Selbstverschulden durch Ignoranz – bisweilen Vorsatz! Denn dieser mit Wasser bedeckte Steinhaufen dreht sich länger um sein Baryzentrum, als sich jedwedes Individuum des Homo Sapiens auch nur vorzustellen vermag.

Die globale Durchschnittstemperatur liegt bereits ca. 1 °C über dem Durchschnitt von 1850 – 1900. Wie in einem Strudel, treten die daraus resultierenden bzw. verstärkten Wetter- und Umweltphänomene wie Hitzewellen, Dürren, Waldbrände und Starkregen und Stürme häufiger und stärker auf. Die vergangenen vier Jahre waren die heißesten der Geschichte der Aufzeichnungen. Die Geschwindigkeit dieses Wandels ist beispiellos.
Neben den genannten unmittelbar wahrnehmbaren Folgen sind dabei auch indirekte Folgen, die wir nur mit Verzögerung mitbekommen: steigende Ernährungsunsicherheit und die Verbreitung von Krankheitserregern und ‑überträgern.

Sie mögen sich nun fragen was wir schaffen müssen, um diesem Wandel zu begegnen. Die Antwort klingt einfach, ist aber die größte Herausforderung der Geschichte der Menschheit: Spätestens in 30 Jahren, dürfen wir nicht mehr CO2 in die Atmosphäre abgeben als aus selbiger gebunden werden kann. Dass ist äußerst optimistisch gedacht, machen wir uns nichts vor. Wir sprechen hier von einer Verringerung des globalen jährlichen CO2-Ausstoßes von 800 Gigatonnen. Die Grundlage für dieses Vorhaben wurde bereits 2015 auf dem Pariser Klimaschutzabkommen gelegt, aber bis heute standen nationale Interessen und Egoismen der Erfüllung dieses Vertrages im Wege. Und, das muss ich an dieser Stelle betonen, ich spreche hier nicht von dem Idealziel – das haben wir längt verpasst. Ich spreche hier von der Notlösung, von Schadensbegrenzung auf der allerletzten Rille. Wenn wir scheitern, wird nur ein Bruchteil der heute über 7 Milliarden zählenden Population des Homo Sapiens überleben. Was das für die restlichen, noch übrigen Spezies bedeutet muss ich Ihnen nicht ausmalen – das können Sie selbst.

Was wir bei all den Berichten und Demonstrationen, die den Klimawandel betreffen, nicht vergessen dürfen: Wir Menschen leben generell gegen die Natur. Ich wiederhole und betone es: Wir haben uns maximal von der Natur entfernt, weil wir uns aus selber ausgekoppelt, über ihr stehend glauben. Das Problem, das wir nun erkannt haben, lautet, dass unsere Industriegesellschaften, unser Konsum, unsere Wirf-Weg-Kauf-Neu-Mentalität und die daraus entstandenen Beque…

… nein. Entschuldigen Sie, bitte.

Der 20. September 2019 stellt eine Zäsur in meiner Kanzlerschaft dar und auch menschlich erfüllt mich dieser Tag mit großem Schmerz. Meine Regierungsmitglieder und deren Vorgänger:innen wissen und wussten alles wovon die verschiedenen Gruppierungen um „Fridays For Future“ sprechen und wofür sie kämpfen. Wir wussten es lange vorher, aber wir haben nichts getan. Spätestens ab 1990 hätten wir stringent handeln und wirtschaften müssen, aber wir haben es nicht getan. Wir haben den Elefanten im Raum ignoriert, weil wir als Politiker:innen nie in der Lage waren die Realität als solche darzustellen und unseren Bürgern, dem „Souverän“, offen, ehrlich und direkt zu sagen, was wir tun müssen – was geht und was nicht geht.
Wir haben versagt. Versagt, weil nicht sein kann was nicht sein darf, versagt, weil wir in Legislaturperioden denken und Wohlstandsversprechen Wahlen gewinnen. Also haben wir diese Versprechen abgegeben und Wohlstand geliefert. Es war der einfache Weg – der der ewig währenden Party. Auch deshalb haben wir uns mit den großen Spielern der Wirtschaft gemein gemacht unser Heil im Wachstumsrausch gesucht und vermeintlich gefunden.

Ich komme nicht umhin, unser Versagen „Spätwestliche Dekadenz“ zu nennen. Wir haben uns so lange mit Wachstum und Innovationen beweihräuchert, bis es zu spät war. Zu spät um das Ruder herum zu reißen, ohne dadurch den gesellschaftlichen Frieden zu zerstören, denn wir kamen an einen Punkt, an dem wir derart tiefe Einschnitte in den Wohlstand unserer Bürgerinnen und Bürger hätten einfordern müssen, dass man uns – im besten Falle – aus unseren Ämtern treibt, oder – im schlimmsten Falle – sich die Bevölkerung gegenseitig an die sprichwörtliche Gurgel geht. Für dieses Versagen kann ich meinen Anteil eingestehen, aber ich kann es nicht gänzlich schultern: Ganze Generationen haben versagt. Wir haben als Menschheit versagt.

Ein „Weiter-So“ kann und wird es für mich und mit mir nicht geben, ich werde daher morgen nach meiner Entlassung aus dem Amt der Bundeskanzlerin verlangen und auf diesem Wege Neuwahlen ermöglichen. Stehe Gott uns bei.

Mit demütigem letzten Gruß

Ein Kommentar zu „Die Party ist vorbei.

Gib deinen ab

  1. Tja. Aber in deren Augen haben sie gar nicht versagt. Im Gegenteil. Der PR-Chef von Airbus droht FfF offen, sie sollen der Firma „nicht in die Quere kommen“ . https://twitter.com/x_rtk/status/1183695673931251714

    Unsere Große Krokodil-Regierung verkauft ihre Klimawurfsendung als äußerste demokratisch machbare Größe. Eine Beleidigung der Demokratie in geradezu elfantöser Größenordnung.
    Erschöpftt von dieser Heldentat, lehnt die ehemalige spd heute ein generelles Tempolimit ab – aus „Koalitionstreue“, nicht etwa aus Angstschiß – will aber weiter für ein Tempolimit kämpfen.

    Orwell, übernehmen Sie!

    Gefällt 1 Person

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