Die Klirona-Krisastrophe

„Kann man nix machen, is‘ halt Wetter und das hat sich schon immer geändert. Da können wir Menschen gar nix für. Außerdem: DIE SONNE macht da viel mehr so … Sachen. Und überhaupt gibt es Wissenschaftlerinnen, die sagen, dass das alles gar nicht so schlimm ist.“

Hans-Günther & Annemarie Mustermax

Die COVID19-bedingte pandemische Lage hat erstaunliche Parallelen zur laufenden Klimakatastrophe: Zum einen die Leugnenden und zum anderen die Verharmlosenden. Unsere Erde hat Fieber, das wissen wir, weil wir es messen können – jedenfalls, wenn man den echten Profis statt den Lindner’schen Profis™ Beachtung und Anerkennung schenkt – Wissenschaffende!

Im 21. Jahrhundert wird Wissenschaft im öffentlichen Diskurs immer öfter als gefühlte Wahrheit oder Meinung herabgesetzt. Quasi, „Wissenschaft, ist eine Meinung, die muss jeder sagen dürfen!“ Im Ernst: Leider nein, leider gar nicht. Wissenschaft ist weder Meinung noch Demokratie. Es ist nicht mal die Wahrheit. Wissenschaft ist die beste Annäherung an die Wahrheit auf Basis der stärksten Evidenz. Punkt. Wer jetzt verwirrt vor dem flimmernden Empfangsgerät sitzt, sei Mai Think X ans Herz gelegt. Die erste Folge nailed it und räumt mit Quer- und Nichtdenkertum gekonnt auf!

„Wissenschaft kann, soll und will euch gar nicht sagen, ob es richtig oder falsch ist, an Klobrillen zu lecken. Sie sagt euch nur, was ihr da alles aufleckt. Und nur wenn ihr das wisst, könnt ihr wirklich frei entscheiden.“

Mai Thi Nguyen-Kim

So! Da wir nun Konsens über den Begriff „Wissenschaft“ erlangt haben sollten, zurück zum fiebernden Planeten: Dass mit Fieber oft Schüttelfrost einher geht, wissen wir alle. Richtig? Richtig! Dein Körper köchelt bei 39,7° vor sich hin und dir ist trotzdem scheißekalt. Richtig? Richtig! Wenn das Fieber das Klima ist, ist der Schüttelfrost das Wetter. Wetter ist klimabedingt, aber nicht das gleiche. Wenn es im Sommer regnet und „kalt“ ist (wirklich kalt ist es erst, wenn Pinguine erfrieren – alte Bundeswehrweisheit) geht das Frotzeln über den Klimawandel los und man kann die Ausrufezeichen förmlich hören, „kann ja nich‘ so wild sein, is‘ ja nass und kühl (aka kalt)“ oder „so ein scheiß Sommer!1!elf1!1“. Dass die nördliche Hälfte Europas auf einem Breitengrad mit Kanada liegt und wir froh sein können, dass uns der Golfstrom die Heizung anlässt? Eeeegaaal. Dass es die letzten Jahre viel zu selten und wenig geregnet hat, der Borkenkäfer unseren vom Trockenstress ausgemergelten monokulturellen Waldplantagen den letzten Rest gibt? Eeeegaaaal. Dass die stehenden Hitze- oder Kälteglocken über Europa, welche uns diese Hitze- und Starkregenereignisse bringen, nur durch einen von einem, durch die rapide wärmer werdenden Arktis getriggerten, schwächelnden Jetstream zustande kommen? Eeeegaaaal. Bekommt das die Masse überhaupt mit, die alle vier Jahre ihr Kreuz bei Union und SPD machen oder fehlt es hier nach wie vor an einem konsumentinnenfreundlichen Format in Funk und Fernsehen, der diese Zusammenhänge erklärt!? Auf Twitter wurde meinerzeit „Klima vor Acht“ statt „Börse vor Acht“ gefordert. Nachvollziehbar, wie ich finde. Teile dieser Sendung könnten die Zusehenden jedoch nachhaltig verunsichern. Nachhaltigkeit, so wichtig! Wenn jetzt allerdings unser aller Renten auf den Börsenboom umgestöpselt werden sollten, sehe ich für diese Idee erst recht schwarz. Weil Geld wichtiger ist als Klima. DiE WiRtScHaFt!1!11!! Ja. Wirtschaft ist wichtig, wir müssen ja alle irgendwas essen und trinken und leben und so, Bernd-Reinhard. Jedoch können wir Öl nicht saufen, Kohle nicht essen und Erdgas nicht atmen. Wir können nicht mal das Meerwasser, dass uns bis zum Hals steigt saufen, bevor wir es äußerst energieintensiv entsalzt haben. Wir haben hier einen Zielkonflikt, Jan-Ingwer!

Jeden Abend verbreitet der ÖR-Rundfunk die Zahlen weltweiter Börsen. Aus der Börse in Frankfurt kommen gar täglich Bewegtbilder, dabei sitzt die Börse seit Jahren in Eschborn. There’s no business like show business. Wir treuen Arbeitskräfte-Steuerzahler-Konsumenten glauben diesem Auf & Ab der Finanzmärkte. Wir nehmen diese Zahlen für voll, für richtig & wichtig. Science, fuck yeah! Wirtschaftswissenschaften! – um genau zu sein. Wenn uns aber Klimawissenschaftler sagen, was wir als Spezies tun müssten, um unser einzige greifbare Realität – unsere Umwelt – so zu erhalten, dass auch zukünftige Generationen in ihr leben können? Im besten Fall zeigen wir mit ernster Miene auf die Politik und sagen „So geht das nicht! Macht mal was!“. Und die machen dann irgendwann irgendetwas. Unter dem Dach der UN gibt es dann Klimakonferenzen à la Kyoto (1997), Kopenhagen (2005), Paris (2016) um nur die „wichtigen“ zu nennen.

Hysterix Cristata – Humans of Fuck It Cuz We’re Awesome

Kurzum: Dass Wetter nicht gleich Klima ist, ist in der breiten Bevölkerung noch nicht angekommen. Daher auch mein hilfloser Versuch der Erläuterung durch Fieber und Schüttelfrost. Während wir in Mitteleuropa im Hochsommer unter einer kühlen „Kälteglocke“ aus der Arktis „leiden“, ist es dort, wo die Kälteglocke herkommt viel, viel, viel, viel zu warm. Ursache. Wirkung. Es scheinen sich die suboptimalen Begriffe „Klimawandel“ und „Globale Erwärmung“ zu rächen. Weil kühl a.k.a. „kalt“ ist ja nicht wärmer. Die 17° am Heiligen Abend? Ja… ööh komisches Wetter… näch?! Wir sind in keiner Klimakrise, denn eine Krise ist „im Allgemeinen ein Höhepunkt oder Wendepunkt einer gefährlichen Konfliktentwicklung in einem natürlichen oder sozialen System, dem eine massive und problematische Funktionsstörung über einen gewissen Zeitraum vorausging und der eher kürzer als länger andauert.“ Der Wendler ist eine Krise. Die Union ist in einer Krise. Das, was mit unserem Klima passiert, ist eine Katastrophe, Punkt. Und nein, das ist kein Fatalismus, Franz-Adalmund von Speck, das ist Fakt.

Leugnen oder ignorieren der Fakten, auch das ist bei Corona wie beim Klima. Negieren des weißen, in die Mitte des Raumes kackenden Elefanten? Kann man machen, denn „Wissenschaft ist eine Meinung, die muss jeder sagen dürfen“ *träller*. Nein Geraldine-Desiree, wir wissen nicht nicht, was im Covid19-Impfsaft drin ist, den dir dein Doktor in den Oberarm pökeln möchte. Weder Nanobots, noch Mikrochips und auch keine Gen-verändernden Substanzen. In der Geschichte der Menschheit gab es zum einen nie Impfstoffe, die in so kurzer Zeit so vielen Menschen verabreicht wurden und somit Daten en masse lieferten. Zum anderen sagen diese Daten, dass es in der Geschichte der Menschheit noch keinen Impfstoff gab, der einen so großen Schutz vor schweren Verläufen gewährleistete. Glaubste nich? Okay, Fakten:

In der letzten Oktoberwoche 2021 waren von rund 55.000.000 vollständig geimpften Menschen in Deutschland 480 wegen Corona auf einer Intensivstation. Dagegen aber 3.440 von knapp 28.000.000 nicht geimpften. Das ist Faktor 16. Ob man sich auf Grundlage dieses Fakts nun noch für oder gegen die Impfung entscheidet, ist mir wumpe.

Meine Meinung: Wir können gottverdammt froh sein, dass wir diese Impfe haben, aber natürlich ist es dein gottgegebenes Recht darauf zu verzichten. Ich wünsche dir das beste, wirklich. Aber heul, im Fall der Fälle, nicht rum, ja? Danke!

Wir haben im deutschsprachigen Raum das Glück! wissenschaftsaffine Menschen, wie beispielsweise Dr. Mai Thi Nguyen-Kim und Prof. Dr. Harald Lesch zu haben, die nicht müde werden, in dem Versuch uns die Welt der Wissenschaft und dessen Erkenntnisse zu erklären, und das auch noch sehr, sehr gut. Entschuldigung, aber von Menschen, die wöchentlich Stunden wie im Rausch auf Amazon oder der Autobahn verbringen, erwarte ich, dass sie sich auch die eine oder andere Stunde für die Zusammenhänge der uns umgebenden Materie nehmen. Aufklärung und so. Mündigkeit und so, Ann-Jaqueline. Und mit Zusammenhänge meine ich nicht die Schiff- und Hildmänner dieser Republik oder sonstige YouTube-Akademiker, die mit ihrer wortwörtlich grenzenlosen Dummheit, Paranoia und Geldgeilheit hausieren gehen, naiven sowie dummen oder vom Hass zerfressenen Menschen das Geld und die letzten funktionierenden grauen Zellen absaugen. Und da regen sich Menschen über „Fridays For Future“ auf… Shoot the Messenger! Best Practice, funktioniert immer! Nicht! Das sind dann die gleichen Schwerzünder, die sich in Gruppen wie „Hubraum for Future“ zusammenfinden um das kleine verkümmerte Ego in einer Gruppe gleichgesinnter aufzupumpen, bis ein groteskes Zerrbild des Homo Oeconomicus auf verbleitem Benzin herauskommt. Kannste dir nicht ausdenken, Fritz-Gundolf. Apropos verbleites Benzin, Max-Fridolin, kurze Anekdote für die Fans von Christian „Monochrom“ Lindner: Auch wirklich, wirklich, wirklich gut gemeinte, in bester Absicht entwickelte Verbesserungen unserer technisierten Gesellschaft können uns langfristig umbringen. Thomas Midgley entdeckte in den 1920er Jahren, dass Tetraethylblei (eine farblose, viskose Flüssigkeit mit angenehm süßlichen Geruch – lecker!) das „Klopfen“ bei Benzinmotoren verhindert. Kurz gesagt, mit Blei läuft datt Dingen einwandfrei, weil das Benzin-Luftgemisch erst am Lichtbogen der Zündkerze zündet und nicht ungewollt vorher. Ergebnis: Der Wirkungsgrad des Benzins ist höher, ergo geringerer Verbrauch und der Motor hält länger weil die relative thermische Belastung verringert wird. Nachhaltigkeit, so wichtig. Dass durch das „süße“ Zeug dann nachhaltig giftiges Blei in die Atmosphäre geballert wurde? Wer hätte es ahnen können? War ja gut gemeint. Der gleiche Herr hat auch ein chemisches Mittel entdeckt, um die giftigen und explosiven Kühlstoffe aus den damaligen Kühlgeräten zu verbannen. Somit musste niemand mehr Angst haben, am Gasleck eines kaputten Kühlschranks zu ersticken oder durch dessen Feuerball zu sublimieren. Dieses Wundermittel nennt sich Fluorchlorkohlenwasserstoff und ist für die meisten organischen Lebewesen (ja, Lieselotte-Gretchen datt bist du) ungefährlich und nicht brennbar. Die Älteren werden sich erinnern: FCKW. Das ist das Zeug, das uns fast die Ozonschicht gekostet hätte. Wie? Indem es in der unteren Stratosphäre den freien Luftsauerstoff (O2) an sich band und somit dessen durch UV-C Strahlung getriggerte spaltung und neuverbindung zu O3 (Ozon) verhinderte. Die Folge: Es taten sich Ozonlöcher auf. Ozon ist ein Filter für UV-C und und UV-B-Strahlung die für organische Lebenswesen (jau, Liese, richtig!) auf Dauer eher ungesund sind. Sowohl FCKW als auch verbleites Benzin (zunächst 1980 Japan bis zuletzt Algerien – die haben „ihre Reserven noch aufgebraucht“. Im August. 2021.) wurden – halt dich fest Chris – verboten. Gesetzlich. Crazy Shit! Der Markt regelt doch nicht alles?! Und selbst wenn, dann zu langsam? *Hust* Algerien *Hust*.

Und damit sind wir auch wieder beim Klima, denn FCKW ist obendrauf noch ein äußerst potentes Treibhausgas, nice! Beispiele wie dieses sind der Grund, warum ich Puls kriege wenn mir jemand sagt, wir ballern die Ostsee mit Windrädern zu, damit wir Strom für Elektroautos haben. Ja, toll. Grüner Strom, gut fürs Klima, aber dafür ein ganzes Ökosystem auszuradieren, ist beschissen für die Artenvielfalt und was beschissen für die Artenvielfalt ist, ist irgendwann auch für unsere Art beschissen. „Coextinction“ nennt sich das und wurde in der letzten „Anstalt“ anschaulich anhand der Treiberameise und ihren Einfluss auf bspw. Heuschrecken erklärt. Die Bibelfesten unter euch erinnern sich, was eine Heuschreckenplage bedeutet, nicht? Die, die es eher mit der Realität halten, schauen ins Jahr 2020 nach Ostafrika und Südasien, nicht? Supi.

„Wenn es viele Arten gibt, die von wenigen Arten abhängig sind, ist das Ökosystem instabil. Wenn dann wichtige „Schlüsselarten“ durch veränderte Umweltbedingungen aussterben, kann das eine Kettenreaktion auslösen und zu einem Massenaussterben vieler Arten führen“

Frank Stollmeier vom Göttinger Max-Planck-Institut

… und dann sind da noch Kipppunkte

Wenn ich einen Zeitachsenvergleich zwischen der Seuche und der Katastrophe ziehe, befinden wir uns, was die Katastrophe angeht, im Sommer 2020. Es ist schön warm, der erste Schock überstanden und ein nicht zu vernachlässigender Teil der Gesellschaft versucht, irgendwie ihren Beitrag zu leisten, dass es nicht schlimmer wird. Maske, Abstand, Hygiene, Impfe – dem Rest is‘ der Bumms im besten Fall Schnuppe, im schlechtesten Fall gibt es arge Beissreflexe, oder neudeutsch „Hatespeech“. Warum das eher keine gute Idee ist, versuche ich nochmals mit einem Beispiel zu erklären:

In der Luftfahrt gibt es den „Point of no return“, den Zeitpunkt, an dem der verbliebene Sprit nicht mehr ausreicht, um den Ausgangsflughafen zu erreichen. Bei den ersten Atlantikflügen war das quasi der Endgegner. Umdrehen ist dann im Notfall nicht mehr, du musst weiterfliegen. Bei unserem Klima, das Stand heute immer noch das einzige im ganzen Universum ist, das uns am leben lässt, gibt es verschiedene Kipppunkte, die, sobald sie überschritten sind, eine nicht wirklich vorhersagbare Folge von Szenarien auslösen, die alle eines gemeinsam haben dürften: nichts gutes!

Ein Kipppunkt ist einfach erklärt, Menschen mit Hauskatze kennen das: Stelle einen Gegenstand auf deinen Tisch. Nun schiebe den Gegenstand langsam Richtung Tischkante. Je nach Schwerpunkt des Gegenstandes kannst du ihn weiter oder kürzer über die Tischkante hinausschieben. Bei allen, wirklich allen gibt es einen Punkt, an dem das Ding von der Platte kippt und auf dem Boden landet. (Sollte das bei dir nicht der Fall sein, bist du entweder Matthias Maurer oder ein fucking Criss Angel!) Und, oh Wunder, so ist das auch beim vollblasen der Atmosphäre mit Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid, Methan und Co. Irgendwann ist für das fragile, einzigartige Gleichgewicht Schicht im Schacht: Kipppunkt.

Lucky You! Ich hab gerade richtig, richtig bock auf Tastengeklimper, also fasse ich dir die Kipppunkte vom Potsdam Institut für Klimaforschung zusammen. Ja, kurz. Aber hol dir lieber Kanne Heißgetränk. Ready?

Zunächst ein Paar Begriffe, dann die Kipppunkte:

Die Breitengrade, auf denen die Sonne an den Tagen der Winter- bzw. Sommersonnenwende gerade nicht mehr auf- bzw. untergeht nennt der Mensch Polarkreis. Davon gibt zwei Polargebiete: die Antarktis (Süden) und die Arktis (Norden). Während die Antarktis ein eigener Kontinent ist, der nahe 100% im südliche Polarkreis liegt, schließt die Arktis die nördlichen Ausläufer der Kontinente Nordamerika (Kanada & Alaska), Asien (Russland) und Europa (Norwegen, Schweden, Finnland, Grönland) mit ein.

  • Arktisches Meereis: Kühlt die Erde, weil weiße Flächen Sonnenstrahlen reflektieren. Es ist wichtig für alle Tiere und Pflanzen in den polaren Lebensräumen. (Artensterben, remember?) Diese Fläche hat sich in den letzten Jahrzehnten in den Sommermonaten halbiert. Die Wärme und der damit einhergehende geschwächte Jetstream hat die Starkregen und Hitzeereignisse in Europa, Russland und Nordamerika ausgelöst. Bei einer durchschnittlichen weltweiten Temperaturerhöhung von 2°, wird jeder 10. Sommer in der Arktis eisfrei sein, mindestens: Kein spiegeln und zurückwerfen von Sonnenstrahlen = es wird noch wärmer.
  • Antarktisches Meereis: Schmilzt dieses Eis komplett weg, stehen die Meeresspiegel 65 Meter über den heutigen. Fünfundsechzig! Der Eisschild in der Westantarktis ist bereits nicht mehr stabil, In der bundesdeutschen Maßeinheit „Saarland mal X-Komma-X“, brechen hier immer wieder Eisberge ab – geht das so weiter: Meeresspiegel +3 Meter.
  • Gebirgsgletscher: Das sind saisonale Wasserspeicher und die verlieren global an Masse und Fläche. Sie tragen bereits ein Drittel zum globalen Meeresspiegelanstieg bei. Die Alpen werden in 30 Jahren 50% ihrer Gletschermasse verloren haben. Gletscher sind für die Wasserversorgung in vielen Regionen unabdingbar.
  • Korallenriffe: Doof, wer jetzt noch einen Tauchschein macht, denn nur 20% aller Korallenriffe blieben bis heute von den aufgewärmten, saureren Meeren verschont. Nebenbei: Korallenriffe waren die artenreichste Gebiete unserer Erde. Bye, bye Nemo! (Artensterben, remember?)
  • Monsunsysteme: In den letzten 35 Jahren ist die Luftfeuchtigkeit der Troposphäre (bis 15 km Höhe) um durchschnittlich 10% gestiegen. Das begünstigt nicht nur schwankende und unberechenbare Hurricanes im Atlantik, sondern auch einen Dynamikwechsel im Monsunsystem – einer großräumigen Luftzirkulation, die zwei Mal im Jahr ihre Hauptwindrichtung drastisch ändert. Hier gibt es einen Rückkopplungseffekt, begünstigt von der feuchteren Atmosphäre und auflandingen Winden, weil sich Landfläche wesentlich schneller erwärmt als Wasserfläche. Monsunsysteme sind in großen Teilen Asiens und Afrika für die Wasserversorgung unabdingbar.
  • Der Golfstrom: Warmes Oberflächenwasser aus dem Südatlantik wird durch ihn in den Nordatlantik getragen, wo es seine Wärme an die Luft abgibt und den kleinen aber feinen Unterschied zwischen Sibirien und Europa ausmacht. Die o.g. Eisschmelze sowie die feuchtere Troposphäre (mehr Regen) bringen dieses System an seine Grenzen. Da Süßwasser leichter als Salzwasser ist, welches das Absinken des südatlantischen Warmwassers behindert und somit den thermischen Motor des Golfstroms abschwächt. Die heutigen realen Auswirkungen sind unsicher, es gibt aber einige Klimamodelle, die die Stabilität dieses Systems „systematisch überschätzen“. Ja, Roland Emmerich hatte mit „The Day After Tomorrow“ leider nicht ganz unrecht.
  • Wälder: Gut, wir Europäer haben unsere Urwälder in Brenn- und Bauholz, sowie Kriegsschiffe und das was noch übrig war zu größten Teilen in kommerzielle, monokulturelle Baumplantagen umgewandelt. Dass das keine gute Idee ist, konnte ja niemand wissen. Den Borkenkäfer freut es! Und was der nicht schafft, schaffen Brände die sich mittlerweile bis in den Polarkreis hinein ereignen: Kanada, Russland, Schweden und sogar in Grönland. Nun machen wir (nein, nicht du und ich, Siegmund-Otto – mit „wir“ meine ich immer den Mensch als solches) das gleiche in Südamerika und Südostasien, aber da wir keine Holzschiffe mehr brauchen und den größten Teil unserer Energie aus fossilen Brennstoffen beziehen, knattern wir die Bäume eben für Soja- und Palmölplantagen um. Das haben wir so gut gemacht, dass aus der „Lunge“ der Erde, dem Amazonasbecken eher ein Verbrennungsmotor wurde: Aus einer Kohlenstoffsenke (mehr CO2 aufnehmen als abgeben) wurde ein Kohlenstoffemittent (mehr CO2 abgeben als aufnehmen) und das ohne die Brandrodungen einzubeziehen, nur durch bereits veränderte klimatische Verhältnisse. Ihr seht das Problem? Ja?! Gut! Nein?! Dann lies „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari. Gern geschehen.
  • Permafrost: Ich habe ihn früher schon erwähnt, denn auch er taut zunehmend weg, da hier der Temperaturanstieg zwischen 1990 und 2016 bereits 4° Celsius beträgt. Im globalen Permafrost ist ca. die doppelte Menge der in der Atmosphäre befindlichen Menge Kohlenstoffdioxid gespeichert. Wir schaffen uns hier eine jahrhundertelang nicht zu kontrollierende Treibhausgasquelle, in der auch noch Krankheitserreger wie Pest und Milzbrand schlummern. Yeay!
  • Dann gibt es noch eine „Höhentemperaturinstabilität der Antarktis und Grönland“: Es gibt sehr hohe Gebirge in den Polarkreisen. Beispielsweise auf Grönland erhebt sich der Gunnbjørns Fjeld mit 3.694 Metern. Der Rest ist wortwörtlich zu hoch für mich. Sorry, bin ich zu doof für oder bin einfach nur mürbe – lest es selbst.

Jeder einzelne dieser Kipppunkte hat gravierende Auswirkungen auf alles Leben auf diesem Planeten. Anders als auf dem heimischen Tisch, werden diese aber deutlicher bemerkbar, je näher wir ihnen kommen. Im Endeffekt resultiert all das aus unserem Hunger nach Energie die wir in Convenience und ungesundes Essen umwandeln und dem wir bereit sind alles unterordnen. Erst Holz, dann Kohle, dann Öl, Atome und Regenerative, wir saugen den Planeten aus und verpesten ihn. Wer angesichts dieser Faktenlage das Gesicht verzieht, wenn es um ein simples, beschissenes Tempolimit auf deutschen Autobahnen geht, das niemandem, aber wirklich keinem Schwein weh tut, möge mich mit seiner Meinung bis zum Sankt Nimmerleinstag verschonen. Gleiches gilt für Verteidiger der krankhaften Energieverschwendung – egal ob fossil oder regenerativ. Wer negiert, dass wir diesen pervertierten Freiheitsgedanken nicht länger durchziehen können, bleibe mir mit seiner Meinung fern. Danke.

Alles wird gut.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Erstellt mit WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: