Some People Want To Watch The World Plopp

Sonnabend, Hamburg, Mönckebergstraße.

Reglos stehe ich am Rand der Straße, schaue den shoppenden Horden hinterher. Die Masse schwappt von einem Kaufhaus ins nächste. Zwischendurch Fluppe, Coke Zero, Pizza Hut. Eine medizinballgroße Blase wabert gemächlich an meinem Kopf vorbei, grün und lila schimmernd fängt sie meine Aufmerksamkeit. Weiterlesen „Some People Want To Watch The World Plopp“

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Humans Of „Fuck It Cuz We Are Awesome“

Europe is lost, America lost, London lost
Still we are clamouring victory
All that is meaningless rules
We have learned nothing from history

– Kate Tempest –

Sehr geehrte Leserin, sehr geehrter Leser,

lange war Pause, unterbrochen von einem kurzen Impuls-Post vor der FIFA®-Weltmeisterschaft© 2018™. Warum? Viel los. Überall. Ich habe kapituliert, quasi. Aber einen letzten Schuss möchte ich, als alter Internet-Junky, noch setzen. Here we go.

„Es ist gerade noch hell genug, um zu sehen, dass es dunkel wird.“

Haste’s quietschen hören? Alter Verwalter, was ham sich die Schwatten un‘ die Roten gerieben und aneinander abgearbeitet: Konservativismus gegen Sozial…dingens bis es knallt. Hier trafen zwei politische Urkräfte und natürliche Gegenspieler derart hart aufeinander, dass in Frankfurt die Banken-Türme bebten, Volkswagen & Co. schon die Anträge auf Kurzarbeit ausgefüllt und Energieriesen wie EON und RWE Rückstellungen gebildet haben – wegen der baldigen Abschreibungen ihrer dreckigen Kohlemeiler – kleiner Scherz, die Dinger sind längst auf 0,-.

Da gibt es auch von mir mal ein großes Lob an die kleinste GroKo aller Zeiten! Man war sich dieses mal nicht zu Schade, die richtig großen drängenden Probleme anzugehen. Hier ein paar Beispiele: Der Wolf! Der frisst bekanntlich kleine Mädchen, zwar vorwiegend mit roter Kopfbedeckung, aber auch Schafe und anderes Nutztier stehen auf seinem Speiseplan. Gut, nun könnte man froh sein, dass sich das – vom Menschen angepasste – Ökosystem stellenweise renaturiert und auch andere Raubtiere, neben dem Menschen, wieder sesshaft werden. Aber nein, denn der große böse Wolf „lungert gerne an Bushaltestellen und frisst dann unsere deutschen Schulkinder weg.“ Also hat sich die GroKo diesem wirklich, wirklich drängenden Problem unverzüglich nach Nominierung der Regierungsmannschaft angenommen und eine nachhaltige, ökologische und ökonomische Lösung ausgearbeitet. Diese Lösung nennt sich (Trommelwirbel) „letale Entnahme“. Aaaaw, letal! Süß! Oder? Letal kommt vom lateinischen lētālis und bedeutet „tödlich“. Entnahme bedeutet Etwas aus Etwas herauszunehmen. In Kombination heißt das in klar-deutsch: Wir rotten das Mistvieh aus. Mal wieder. Denn Lammkotelett gehört auf UNSERE Teller und nicht in den Stomachus des zugewanderten, quasi invasiven Canis lupus. Nachdem wir schon den ersten „deutschen“ Bären seit 1835 in die ewigen Jagdgründe geschickt haben, legen wir nun auf den Wolf an. Schön. Ich fühle mich gleich viel sicherer. Und wusste nicht schon Moses, es solle keine Prädatoren neben uns geben?

Man kümmert sich eben! Auch auf Landesebene ist Dampf in der gut geölten Turbine: „Die NRW-Landesregierung hat die Stabsstelle gegen Umweltkriminalität zerschlagen. Eine Maßnahme, der Wirtschaft das Leben zu erleichtern, kommentiert Jürgen Döschner, der als Umwelt- und Energieexperte für ARD und WDR arbeitet.“ Im Endstadium des Kapitalismus kann man sich das schon mal gönnen. Bzw. man muss sich das gönnen, denn der Kapitalismus wird erst überwunden, wenn wirklich alles wegrationalisiert ist, was Wachstum irgendwie bremst oder Geld kostet. Muss so! Wir doofen Schafe, die Löhne fordern, mit denen man wohnen kann, wo man arbeitet, sollten endlich bedenken, dass wir hier immerhin mit China & Vietnam konkurieren, die es eben noch nicht so genau nehmen, wenn es um die Umwelt geht. Daher: Chapeau, Herr Laschet! Im wirtschaftlich stärksten Bundesland bremsen Hüter gegen Umweltkriminalität nur unnötig mögliches Wachstum! Is‘ ja auch Blödsinn, Umweltkriminalität. Pffff. Wo denn?!? Vorbildlich in die Klimakatastrophe. Ganz stark, Armin, ganz, ganz stark!

Ich könnte jetzt noch auf Capt’n Jens „Sollen-Sie-Halt-Kuchen-Essen“ Spahn rumreiten, aber das bringt nix. Der macht auch nur was er kann: Pflegekräfte vom Balkan einsammeln, während der Innen-Horst dorthin fleißig abschiebt – nur als Beispiel. Ich könnte Witze über den flapsigen Außen-Heiko machen, aber das lohnt sich nicht. Ich könnte den Auftritt von Bundesjustizministerin Barley bei Fratzenbook durch den Kakao ziehen. Aber wozu? Ich könnte – kaum ist Sie Landwirtschaftsministerin – unserer Weinkönigin zum Rekord-Sommer gratulieren, oder der Flinten-Uschi zum Wella-Werbevertrag und dem fetten Budget-Plus für die besten Militärdarsteller seit der Schweinebucht. Möööööp, nein. Ich könnte Gerd Müller loben! Dafür, dass er einer der letzten Politiker ist, der mensch-geblieben ist, der seine Empathie bewahrt hat. Danke, Gerd Müller! Aber Alles in Allem bleibt es bei: „Wie Sie seh’n, seh’n Sie nix. Und warum Sie nix seh’n, seh’n sie gleich.“ Die wohlstandsverwaltenden Parteien haben aus der vergangenen Bundestagswahl sehr wenig gelernt – im Duktus der Schwatten, könnte ich sagen, dass die ihre Hausaufgaben nicht gemacht hat – mit Ausnahme davon, dass rechts der Union vermeintlich viel Platz ist und sie den Arschköppen für Deutschland (die eigenen ehemaligen) Wähler abgraben können! Wie? Indem sie 17% hinterherrennen, koste es was es wolle und sei es unser Grundgesetz! Dass die restliche  83% überwiegend differenzierter denken, als diese ewig gestrigen Evolutionsverweigerer? Interessiert die Volksparteien nicht. Denn diese „83%“ haben reale Probleme, an deren Entstehung und/oder Verschlimmbesserung sie selbst mitgewirkt haben und das ist zu unbequem für das feine Nervenkostüm von Union und SPDingsbums – sie müssten eigene Fehler eingestehen. Niemals! Nein, Angie macht lieber einen Horst zum Innenminister, weil der senile Menschenfeind – trotz baufälliger märklinscher H0-Anlage – partout nicht in den heimischen Keller verschwinden will. Die Macht ist halt einfach ein geiler Stoff! *sniff*, aber immerhin, und das ist eine große Errungenschaft unserer Angela, hält der Andi die Fresse – jetzt, wo er Didschidalisierungsminisder sein dud. Vermutlich sucht er noch das WLAN-Kabel oder die Any-Key Taste für den Neustart seines abgestürzten Dienst-Comodore? Wobei wiederum sein biologischer Router(w), die Doro Bääär, nun durch die Fernsehrunden dieses Landes tingelt und besonders mit Ihrem Augenaufschlag und Flug-Taxis zu überzeugen weiß. Im Endstadium der plukratisierten Demokratie muss die Elite aus Südost herhalten! Pfiadi!

Ein Besuch im Zoo

Der Hauptgrund für mein digitales Schweigen: Die Spirale des Wahnsinns dreht sich mittlerweile so dermaßen schnell, dass ich zunächst nicht mehr hinterher kam alle Quellen zu sammeln und überhaupt zu lesen und dann mehr oder weniger fassungslos zurück blieb. Wenn ich in die Medien schaue, egal ob online, offline, social oder die Rundfunkanstalten, fühle ich mich wie der stille Beobachter eines Paviankäfigs: Auf dessen Hügel alle potenziellen Alpha-Tiere rastlos im Kreis laufen und sich fäkalien-schmeißend gegenseitig anbrüllen. Trotz gebührendem Abstand, bekommen auch ich einen Teil von dem braunen Siff ab, also komme ich ins Grübeln – mal wieder:

Die Ordnung, auf die sich die Menschheit nach den Erfahrungen zweier Weltkriege geeinigt zu haben schien, liegt blutüberströmt vor dem Kamin und quält sich röchelnd durch ihre letzten Atemzüge. Aber wer ist der Täter oder die Täterin? Wo ist der rauchende Colt? Manches Individuum zeigt mit dem Finger auf die Globalisierung, doch die rümpft verschnupft die Nase, will es nicht gewesen sein. Tatsächlich denke ich, dass die Globalisierung Frieden erhält – ganz einfach, weil gegenseitige wirtschaftliche Abhängigkeiten Konflikte weniger schnell in handfeste Auseinandersetzungen ausarten lassen (können). Daher sind Wirtschaftssanktionen ein probates Mittel der Diplomatie. Aber jedes Mittel trifft irgendwann auf Resistenzen oder wirkt toxisch, wird es zu oft eingesetzt. „Die Dosis macht das Gift.“ Irgendwann müssen beide Seite eben doch zurück an den Gesprächstisch kommen. Aber genau das wird immer schwieriger. Warum? Jenseits des Atlantiks sitzt ein Mann am längsten und größten Hebel der Welt, der meiner Ansicht nach keine Anomalie oder einen „Demokratie-Unfall“ darstellt, sondern die logische Konsequenz aus dem, wie der Westen sich nun mal geriert. Stichwort „Neoliberalismus“, der schlichtweg vor dem absoluten Peak steht. Nicht, dass der Neoliberalismus eine Grenzen kennte – nein, der frisst sich durch unsere Welt bis es knallt – er bringt jede offene, demokratische Gesellschaft über ihre Grenzen. Wetten? Das ganze beginnt jenseits des Atlantiks, denn, wer hat es erfunden? wer hat es perfektioniert? und schwappt nach „Ich mag auch! Ich mag auch!“-Europa. Wir haben nämlich freudig mitgemacht, bei der „Liberalisierung“ die von Natur aus vor nichts halt macht – so sind Wellen, treffen Sie auf Widerstand (TTIP), fließen sie außenrum und strömen von hinten ein (CETA) – und das immer für ein und das selbe Ziel: Wachstum. Eeeewiges Wachstum. Amen.

An uneducated child understands that infinite growth on a finite planet is not possible. Yet economic growth is the top priority for every leader in the world and the majority of citizens.

Der Kapitalismus hat Wohlstand für alle versprochen. Mit der Liberalisierung der Märkte bliebt zwar das Versprechen, die Zahlen der Teilhaber*innen dieses virtuellen Pfandscheins schrumpfen in den entwickelten Ländern aber Jahr für Jahr zusammen. Steigende Armut bei sinkenden Arbeitslosenzahlen! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Und dann getrost ausspucken. Oder verdauen und dann dem Pavian gleich tun. Am besten in Berlin.

Der Zauber des „Tickle-Down Effekts“ entpuppte sich als billiger Hütchenspieler-Trick, bei dem noch kräftig in die Taschen der staunenden Zuseher*innen gegriffen wird. Hinzu kommt, dass die Arschloch-Dichte in den höchsten Ämtern immer höher wird. Das bleibt im Strudel der Wachstumsmanie leider nicht aus. Aber wenn diese Arschlöcher dann auch noch vollkommene Idioten sind, wird es brenzlig. Und genau das beobachten ich zunehmend. Der 2018-Chic: Global-Vernetzte Arschloch-Idiokraten everywhere. Unweigerlich, muss ich an den Film „Idiocracy“ denken.

Das von Arschloch-Idiokraten bevorzugte Mittel der „Fake News“, über das überall gejammert wird, ist so alt und billig, schon Josef „Der Bock von Babelsberg“ G. kannte ihn. Neu ist einzig der Faktor Internet. Bewusst gestreute falsche Nachrichten? Manipulierte Fotos? Kindergarten! Der ganz neue heiße Shit kommt hier – Digitalisierung first, Bedenken second! Zwinkersmily:

Es kommt der Tag, an dem weiß niemand mehr, wer, was, wann, warum und wie gesagt – ob er oder sie überhaupt etwas gesagt hat. Yeay! Seien wir doch ehrlich: Würden wir uns kritisch-mitdenkende Menschen heranziehen, statt bräsiger Konsumenten, wäre das Bullshit-Bingo, mit dem man heutzutage Wähler fangen kann, kein echtes Problem. Mehr Descartes statt Barth!

There’s a Starman waiting in the sky…

Und während all die Scheiße, die sich die Paviane um die Ohren hauen, im Fell trocknet, steigt ihnen das verdreckte Wasser langsam aber sicher bis zum Hals. Diese stoische Ruhe, was diese Bedrohung angeht – bewundernswert. In der Nachbesprechung sollte unser aller Schöpfer in Erwägung ziehen, uns in „Homo Sapiens Sedare“ – der bewusst sedierte Mensch – umzubenennen… wird sonst auch niemand mehr da sein.

Das 2°C-Klimaziel ist passé. Egal. Dass dieses Ziel schon viel zu niedrig gesteckt war, um den arktischen Eispanzer, den Permafrost und das darin gespeicherte Methan & CO2 zu erhalten? Egal. Hunderte von Millionen von Menschen leben in Mega-Cities unterhalb fünf Metern über dem Meeresspiegel? Egal. Inseln aus Plastikmüll, die größer sind als unsere Bundesrepublik? Egal. Innehalten, reflektieren des eigenen Schaffens & Konsums – gar eine Vollbremsung? Niemals! Denn wir steigern unsere Effizienz! sic! Dumm nur, dass wir mit weniger Ressourcen effizienter mehr Müll produzieren, statt gleich viel oder *hysterische Lache* weniger. Das ist nun mal die Natur des Kapitalismus. Es wird ausgereizt was geht und Geld bringt, nicht was Sinn macht und Nachhaltig ist. Uuuund außerdem, machen wir jetzt in Elektroautos! Denn Strom kommt bekanntlich aus der Steckdose und wenn wir die Diesel & Benziner in Elektroautos umwandeln, ist unser Klimaproblem gelöst! Habe ich schon erwähnt, dass Strom aus der Steckdose kommt? Nein!? Tut er wirklich. Und so sauber! Rechnen wir mal, CSU-Style, die Milchmädchenrechnung am Beispiel des Rising Stars „Tesla Model 3“ vom Godfather of Electrification & Space Tourism: Elon Musk. Elon Musk ist unter anderem durch „PayPal“ vermögend geworden. Dadurch befeuert (das ist witzig, weil dieses Genie zwischenzeitlich Flammenwerfer vertickt hat) scheint den Mann nichts mehr aufzuhalten. Auf der einen Seite hat er kein geringeres Ziel, als die Menschheit, mit Hilfe seiner Firma „Tesla“, in die Elektromobilität zu führen, dazu gleich mehr. Auf der anderen Seite, will er die NASA beerben, wenn nicht vergessen machen, indem er unseren Heimatplaneten hinter sich lässt und auf den Mars umsiedelt. Was liegt da näher, als einen 1.200 kg schweren Tesla Roadster in die Erde-Mars Umlaufbahn der Sonne zu schießen – mit Hilfe seiner eigenen Raketen und mit seeeehr viel Tamtam und Tralala?! Marketing ist eben alles. Ich wiederhole mich ungern, aber: Einen R.o.a.d.s.t.e.r. ins All geschossen. Mit einer 1.420.788 kg schweren Rakete. Danach feiert Mann sich gebührend selbst- für die stärkste Rakete aller Zeiten.  Ich fasse zusammen: Die Menschheit hat es, in Person von Elon Musk, geschafft, max. 63 Tonnen Nutzlast unter Aufwendung einer 1.420 Tonnen schweren Rakete in eine Erdnahe Umlaufbahn (Low Earth Orbit – um bspw. die ISS zu versorgen) zu schießen. Die Nutzlast für eine eventuelle Reise zum Mars liegt dann noch bei Sage und Schreibe 17 Tonnen. 1,4 Millionen Tonnen für 17 Tonnen! Glückwunsch Menschheit! Diesen ganzen Blödsinn erfinden wir nur, weil wir intelligent genug sind um es zu können, aber dumm genug um es zu machen! Und, weil wir uns selbst ziemlich geil finden! Müssen wir auch, weil sonst niemand da ist um uns geil zu finden. Warum schreibe ich überhaupt noch weiter? Dr. Freud, übernehmen Sie.

Ein Homo Oeconomicus schießt unter Pomp & Gloria und unter Zuhilfenahme einer kerosinbetriebenen Rakete, ein elektrifiziertes Cabriolet ins All. Mit einer behelmten Puppe darin. Und auf dessen Navi „Don’t Panic!“ steht.

Keine. Fucking. Pointe.

Noch nicht.

Trotzdem – oder gerade deswegen?! – gibt es eine wachsende Zahl Menschen, die diese galaktische Penispumpe feiern wie einen Gott; den Erlöser aus dem fossilen Zeitalter – und ich?, ich komme (eeendlich) zu meiner Milchmädchenrechnung:

Das voll-elektrische „Model 3“ braucht im Schnitt 15 kW Strom für eine Fahrstrecke von 100 Kilometern. (wer es glaubt… ich muss an dieser Stelle darauf hinweisen, dass dieses Auto eine Motorleistung, je nach Modell, von 211 bis 358 kW hat,  die immer zur Verfügung stehen, da es eine Limitierung wie eine Motordrehzahl nicht gibt) Auf unserem blauen Planeten brummen derzeit geschätzte 1.200.000.000 Autos durch die Gegend, Tendenz stark steigend. In Deutschland wird ein PKW gut 10.000 km pro Jahr bewegt, nehmen wir diesen Wert als Annahme für alle Fahrzeuge, kommen wir auf 15 kW x 100 (um auf die Jahresleistung von 10.000 km zu kommen) x 1.200.000.000 Autos = 1.800.000.000.000 kW. In Worten: eine Billion achthundert Milliarden Kilowatt bzw. eine Billiarde achthundert Billionen Watt – also 1.800 Terawatt (TW) um 1,2 Milliarde Autos je 10.000 km im Jahr zu bewegen. Zusatzinformation meines „Haus-Physikers“ (Danke an dieser Stelle!): Ein Elektromotor erzeugt, im Gegensatz zu seinem fossilen Pendant, keine eigene Wärme – was im Winter zum Problem wird, da die Heizung, die die fahrzeugführende Person vor dem Kältetod bewahren soll, elektrisch aufgeheizt werden muss. (Vgl. Mama und Papa von vier Töchtern, welche sich jeden Tag die Haare föhnen; die örtlichen Energieversorger lassen ganz lieb grüßen!). Im Winter kann sich die Energieaufnahme dieses PKW also getrost verdoppeln. Dennoch, bleiben wir bei 1.800 TW und was das für eine unfassbare Menge an Energie ist, verdeutlicht die nächste Rechnung:

Angenommen ein durchschnittliches Kernkraftwerk hat zwei Blöcke mit je 500 MW, insgesamt ein Gigawatt Leistung, was einer Einspeisung von 8,76 TWh Energie entspricht – bei unterbrechungsfreiem Betrieb. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.

1.800 TW / 8,76 TW = rund 205 Kraftwerke mit einem Gigawatt Nettoleistung

Die Elektrifizierung unserer individuellen Mobilität bedeutet einen Mehrbedarf an 205 Atomkraftwerken mit je zwei 500 MW Blöcken – 410 Blöcke. Fakt ist: Auf dieser winzigen blauen Erde, irgendwo im erst kürzlich errechneten Supercluster Laniakea, auf der wir alle von ewigem Wachstum, individueller Mobilität und Reichtum für alle träumen, sind derzeit 453 solcher Blöcke in Betrieb. Warum rechne ich den Blödsinn in Kernkraftwerken? Nun ja, weil Kohlekraftwerke keinen Sinn ergäben – „Bei der Verbrennung fossiler Energieträger entstehen vor allem Kohlendioxidemissionen. Der Energiesektor ist mit circa 84,9 Prozent im Jahr 2016 die größte Quelle anthropogener Treibhausgasemissionen [in Deutschland], dies beinhaltet die energetischen Emissionen der Industrie mit ca. 14 Prozent Anteil an den Gesamtemissionen“ – und weil erneuerbare Energiequellen in diesem Ausmaß schlicht unrealistischer sind. 2016 gab es 921 Gigawatt (um den Faktor 1.000 geringer und dann noch mal halbiert vom benötigten Extra) aus Erneuerbaren. Man möge zusätzlich bedenken: Kreuzfahrt- und Frachtschiffe, Flugzeuge, Bau & Landwirtschaftsmaschinen, LKW, Mopeds & Motorräder sind in dieser Rechnung noch nicht enthalten. Und selbst dann hätten wir nur den Sektor „Verkehr“ abgedeckt.

Tesla-Fun Fact am Rande: Der Börsianer ist ein scheues Reh, immer in Angst vor der vernichtenden Pranke des Bären, schreckt es bei schlechten Nachrichten auf und verschwindet mitsamt Kapital im Unterholz. Bei Tesla-Aktionären ist das anders. Lächerlich anders. „Bad News Faktor: Tesla verzeichnet bei unternehmens-spezifischen Problemen i.d.R. geringe Kursabschläge in Höhe von durchschnittlich +2,96%.

There ain’t no bad news, Baby!

Kurz gesagt: Auf dem Weg zu einer nachhaltig wirtschaftenden Gesellschaft, bringt die Elektrifizierung unserer individuellen Mobilität einen Scheiß! Auch Musks Mars-Träume werden unrealisierbar bleiben. Entweder ist der Mann ein Phantast, einer, der zu viel Science Fiction gelesen hat und böse darauf hängen geblieben ist – was die sympathischere Variante wäre – oder er ist schlicht eines von vielen Marketing-Genies, dass sich selbst unfassbar reich macht und sich dabei nicht zu schade ist, auf dem Weg dorthin eine Spur der Verwüstung hinter sich herzuziehen.

Auch müssen wir bedenken, dass das Energieproblem eines der letzten in einer Kausalkette der Elektrifizierung darstellt. Danach kommt noch die Energiebereitstellung an den richtigen Orten – quasi überall, zur richtigen Zeit – quasi immer. Davor kommt allerdings die Gewinnung der Rohstoffe, die diese Lithium-Kupfer-Carbid-Cobalt-Stahl-[…]-Monster benötigen.

Da ich hier nicht alle Grenzen sprengen will – ja, ich gebe mir wirklich Mühe – belasse ich es hinsichtlich dieser Thematik mit einem Hinweis auf eine Recherche für die „Wirtschaftswoche“. 2017 erschienen, recherchiert von Martin Seiwert, Lea Deuber, Melanie Bergermann, Simon Book, Alexander Busch: Für dein Auto

Den Zahlen glauben

Jeden Abend verbreitet der ÖR-Rundfunk die Zahlen weltweiter Börsen. Aus der Börse in Frankfurt kommen gar täglich Bewegtbilder, dabei sitzt die Börse seit Jahren in Eschborn. There’s no business like show business. Wir treuen Arbeitskräfte-Steuerzahler-Konsumenten glauben diesem Auf & Ab der Finanzmärkte. Wir nehmen diese Zahlen für voll, für richtig & wichtig. Science, fuck yeah! Wirtschaftswissenschaften! – um genau zu sein. Wenn uns aber Klimawissenschaftler sagen, was wir als Spezies tun müssten, um unser einzige greifbare Realität – unsere Umwelt – so zu erhalten, dass auch zukünftige Generationen in ihr leben können? Im besten Fall zeigen wir mit ernster Miene auf die Politik und sagen „So geht das nicht! Macht mal was!“. Und die machen dann irgendwann irgendetwas. Unter dem Dach der UN gibt es dann Klimakonferenzen à la Kyoto (1997), Kopenhagen (2005), Paris (2016) um nur die „wichtigen“ zu nennen.

Ich zitiere aus Chapter II:

 

Das Klimaabkommen von Paris hatte eine noch kürzere Lebenszeit als ich erwartet hatte: Gute zwei Jahre. Nun wird der IPCC mit einer Studie beauftragt, ob und wie das Ziel für 2100 noch zu erreichen ist. Ich möchte nicht spoilern aber… wenn der Mensch sein Konsumverhalten und somit seine Art des Wirtschaften nicht „von Null an“ überdenkt und (für die Industrienationen) unbequeme Konsequenzen zieht, ist dieses Ziel unerreichbar. Im Gegenteil: 2100 würden wir die Welt nicht wiedererkennen. Da bin ich mir ziemlich sicher, denn bereits bei den angepeilten, aber wohl verfehlten, 1,5°C besteht die Möglichkeit, einer in den Sommermonaten eisfreien Arktis. Und schon sind wir wieder bei Fluchtbewegungen. Man freut sich in Deutschland dieser Tage ein metaphorisches zweites Löchlein zwischen das Sitzfleisch, denn 2017 kamen weniger Asylsuchende in unser Land, als die „Obergrenze“ zuließe. Gut, man kann sich darüber freuen oder die europäische Abschottungspolitik hinterfragen, die nicht mal vor der Zusammenarbeit mit Libyschen Warlords zurückschreckt. 2017 dürfte das Jahr mit den meisten Toten auf Fluchtrouten nach Europa gewesen sein. Glückwunsch Europa, du hast die Probleme erfolgreich ausgesperrt und deinen Einwohnern viel angenehmere Abendnachrichten beschwert. Gestorben wird immer noch. Nur halt wo anders. Nachhaltig geht anders, denn es gibt Studien, die besagen, dass die Temperaturen (in Kombination mit der Luftfeuchtigkeit) im nördlichen Indien, südlichen Pakistan und in Bangladesh in wenigen Jahrzehnten für menschliches Leben zu hoch sein dürften. In diesen drei Ländern werden bis 2050 über zwei Milliarden Menschen leben.

Doch wir reichen Menschen tun so, als hätten wir ein Anrecht darauf uns zu verhalten wie wir uns verhalten. Es wäre es in Stein gemeißelt, dass jede/r ein Auto haben, in den Urlaub fliegen und totes Tier essen kann soviel er/sie will. Freunde, nur weil es eine steigende Zahl an Menschen gibt, die sich das finanziell leisten können, heißt das noch lange nicht, dass das auch funktioniert. Die individualisierte Mobilität ist tot. Freilich, sie zuckt zwar noch, aber der Puls nähert sich ganz langsam der Nulllinie. Und auch die Luftfahrtindustrie wird sich konsolidieren – ja, auch wenn sie derzeit wegen der fallenden Preise zu boomen scheint. Die kleine Air Berlin hat ihre Flügelchen schon nach oben gestreckt und wurde von der großen Lufthansa vertilgt. Anleger reißen sich um Wertpapiere von Etihad & Co. Dabei kann ein mittelschwerer Rülps eines Ölfeldes, das Anschwellen eines Konfliktes in einer der wichtigen Öl-Regionen den gesamten Industriezweig global über das Knie legen. Ich denke, es gibt keine Branche die weniger Nachhaltig ist als die Luftfahrtindustrie.

1961 hat der Ressourcenverbrauch der Spezies Mensch noch bei 0,71 „Erden“ gelegen.  1971 war das erste Jahr, in die „natürlichen Ressourcen“ vor Jahresfrist aufgebraucht war – nämlich am 21. Dezember. Jetzt können wir lang und breit darüber streiten, ob dieser „Earth Overshoot Day“ Sinn macht, ob er stimmt. Exakt ausrechnen lässt sich das nicht, aber wie war das noch gleich, mit dem unendlichen Wachstum auf einem endlichen Planeten?! In diesem Jahr ist dieser Welterschöpfungstag der 1. August. Ab hier leben wir von der Substanz unseres Planeten und das das siebenunddreißigste fucking Jahr in Folge. Aber auf diese Zahlen scheißen wir getrost. Klar, das sind keine Wirtschaftswissenschaften und einen Nobel-Preis gibt es dafür auch nicht. Buuuh. Oder liegt es daran, dass sie unbequem sind? Weil Sie nicht in unsere, zu einem Convenience-Store verkommende Welt passen? Weil SUVs, 10-Euro-Flüge, Billigfleisch und 1.000-Liter-Wasser-Avocados geiler scheiß sind? Weil wir Plastikgeschirr nicht spülen müssen, Plastikflaschen einfach leichter sind und ein T-Shirt für 3 Euro nicht den ganzen Sommer halten muss? Isso. Wir verhalten uns so, weil wir intelligent genug sind um es zu können, aber dumm genug um es zu machen!

Unsere Demokratien sind zu einem Wirtschaftslegitimierungs- und wachstumskokolores verkommen. Konsum ist erste Bürgerpflicht, unserer einzig wahren Gottheit, dem Eeeeewigen Wachstum, wird alles untergeordnet, jeden Abend beten „tagesthemen“ und „ZDF heute“ den sedierten Zusehern die Börsenkurse vor. Börsenkurse lügen nicht! Vollkommen rationale Daten sind das! Weil isso. Wenn Fratzenbook über Nacht 120 Millarden Dollar „Wert“ verliert, geht das durch alle Medien – als ob es von Bedeutung wäre, wenn eine virtuelle Firma, die virtuelle Daten zu Geld macht, irgendetwas einbüßt. Dabei ist Facebook nur eine große Werbeplattform für materiellen und geistigen Müll – mit angeschlossenem Narzistenpuff für sich selbst verleugnende Selbstdarsteller*innen – virtuell, natürlich: Instagram. Wobei ich an dieser Stelle anmerken möchte, dass der Name nahezu perfekt ist. Instant Gram! Ist Gram doch der veraltete Ausdruck für tiefen Kummer. Anders ist der zwanghafte Drang, sich ständig und überall selbst darzustellen, um virtuelle Anerkennung gänzlich unbeteiligter zu erbetteln, nicht zu erklären.

In manch seltenem Moment kam mir die Hoffnung, dass all das nur Kämpfe innerhalb einer weitreichenden Evolution innerhalb einer Demokratie sind. Dass es eine kritische Masse an Menschen gibt, die die Ideen von Gleichberechtigung und Gerechtigkeit für wirklich alle fordern – und würden damit nicht die größten zwischenmenschlichen Problemherde gelöscht? Dem entgegen stehen aber solche, die das für bösen Kommunismus halten; jene, die sich kein besseres Wirtschaftssystem als den Kapitalismus vorstellen können oder wollen und die, denen der konservative Stock dermaßen weit im Rückenmark steckt, dass sie zur „Konservativen Revolution“ aufrufen – einen Begriff der eindeutig mit dem Untergang der Weimarer Republik und dem Aufstieg des Nationalsozialismus verknüpft ist. Und es gibt die von hinterm „Rand der Gesellschaft“, die einfach nur ihren – wie auch immer begründeten – Hass auskotzen wollen.

 

AI – Artificial Inkompetenz

Nehmen wir an bzw. hoffen wir, dass ich mit meiner düsteren Prognose falsch liege und die Klimakatastrophe mit den befürchteten Umwälzungen nicht zum YOLOcaust Universalis wird, bin ich dann beruhigt? Leider nein, leider gar nicht. Die Gier, die den Menschen den gesunden Verstand vernebelt, wird in Kombination mit der grassierenden Verblödung zum ultimativen Endgegner. Noch 2013 war das Internet „Neuland“ für unsere Bundesregierung, was auch die damalige Wahl Alexander Dobrindts als zuständigen Minister erklärt. Fünf Jahre später haben die Schwatten den Megatrend „Künstliche Intelligenz“ entdeckt – ob betroffene  Stabstellen bereits durch IBM Watson ersetzt wurden, ist mir nicht bekannt. Wohl aber wären „seine“ Antworten auf Fragen in der Bundespressekonferenz wohl klar zu verstehen, im Gegensatz zu dem, was derzeit in die Mikrofone gestammelt wird, sobald die anwesenden Journalisten mal unangenehme Fragen stellen.

Wer die Technologie nutzt, weiß, welche Vorteile sie bringen kann und wer beispielsweise die Serie „Black Mirror“ verfolgt, hat eine Ahnung, welche Risiken in künstlicher Intelligenz stecken können. Das ganze garniert mit menschlicher Gier und gewürzt mit Arschloch-Idiokraten, zack-feddich: Endboss!

Experten betteln daher teils förmlich um staatliche Rahmengesetze und Regulierungen. Dahinter steckt ihre ernste Sorge, dass politische Entscheidungsträger die technologischen Entwicklungen verschlafen, sie nicht ernst genug nehmen oder, wie in den allermeisten Fällten, sie überhaupt nicht verstehen. Genau dies verdeutlicht leider auch der neue Bericht der Bundesregierung auf geradezu exemplarische Weise: Der wissenschaftlich-technologische Fortschritt besitzt unterdessen eine derart rasante und komplexe Entwicklungsdynamik, dass er sich dem Vorstellungs- und Gestaltungsraum der allermeisten politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsträger entzieht.

Fazit: Um die echten Probleme, kümmert sich keine Sau. Warum auch? Wir sind die Krone der Schöpfung und haben uns diesen Planeten untertan gemacht. We’re fucking awesome! Are we? Wir haben bisher immer eine „Lösung“ gefunden! Science, fuck yeah!

Im Ernst. Es gibt Probleme, die sind „selbst für uns“ zu groß – auch wenn wir uns das noch nicht eingestehen wollen. Die Chronologie des menschlichen Scheitern, was den Schutz seiner Lebensgrundlage angeht, gibt es in der New York Times.

Und ich zitiere aus „Wer wir sein wollen„:

[…] wenn wir weiter dem Wachstum huldigen und immer wieder die wählen, die in blindem Gehorsam den Wünschen der Wirtschaft folgen. In den kommenden Jahren …

„kommenden Jahren“… haha, ich war ein richtiger Optimist!

… müssen wir uns entscheiden, ob wir harte, sehr harte Entscheidungen fällen und unseren heutigen Wohlstand drastisch zurückschrauben, oder ob uns die Sintflut nach uns egal ist und wir feiern bis nichts mehr zu verfeiern da ist, weil es entweder abgesoffen, abgebaut oder ausgerottet ist. Wir leben in einem Konsumrausch, der unserem Dasein keinen Sinn verleiht, denn, Hand aufs Herz, wie lange macht uns unser Konsum glücklich? Die Glückshalbwertszeit eines neuen Kleidungsstückes bewegt sich in der Haltbarkeit einer Knolle Knoblauch – aber der Knoblauch kann umweltgerecht nachwachsen – die Produktion des Kleidungsstückes verseucht ganze Landstriche. Und dieses Beispiel ist verhältnismäßig harmlos – denke ich doch an die Produktion von Pharmawirkstoffen, bspw. in Indien:

Rund um Fabriken in Indien, wo fast alle großen Pharmakonzerne produzieren lassen, sind große Mengen an Antibiotika in der Umwelt. So entstehen gefährliche, resistente Erreger, die sich global ausbreiten. Das zeigen Recherchen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“.

Ich stelle  die Eingangsfrage: Wer wollen wir sein? Die erste global vernetzte Generation, der alle Daten und Kontakte zur Verfügung stehen um die Fehler der Vergangenheit und Gegenwart zu korrigieren? Oder bleiben wir die egoistische Spezies, die sich in ihrem Konsumwahn selbst ausrottet?

Abschließend zitiere ich aus „Abgesang„:

In Permafrostgebieten, geographisch handelt es sich um große Teile Nordkanadas, Alaskas, Grönlands und Ostsibiriens, sind zwischen 13.000 und 15.000 Gigatonnen Kohlenstoff gespeichert, etwa doppelt so viel wie in der gesamten Erdatmosphäre: Beim durch den Klimawandel beschleunigten Auftauen der Permafrostböden wird dieser als CO2 freigesetzt. ~14.000 Gigatonnen sind 14.000 Milliarden Kilogramm, 14.000.000.000.000 kg Gas. Ganz zu schweigen von den immensen Mengen an Methan und Giften wie Quecksilber, die der tauende Permafrost freisetzen könnte: auch Pesterreger könnten darin konserviert sein. Ein Pestausbruch, wäre ein Endzeitszenario, dass nicht mal  ich bisher bedacht hatte. Und die Regierungen schauen tatenlos zu – den (himmelhochjauchzend bejubelten) Beschlüssen des UN-Klimagipfels von Paris zum Trotze. Da bekommt „Ice Age 2 – Jetzt taut’s“ gleich viel mehr Dramatik.

Und jetzt? Wie gehe ich als denkendes und fühlendes Wesen damit um? Lebe ich jetzt nach dem Motto: „Jetzt erst recht und nach mir die Sintflut“? Verfalle ich in Panik? Am ehesten mache ich so weiter wie bisher, denn so sind wir Menschen nun mal.

Nur so eine Idee: Wie wäre es mit einem Mahnmal, so groß und widerstandsfähig, dass es uns alle überlebt und eventuellen Besuchern, in ferner Zukunft zeigt, was wir getan haben. Ich schlage „Tha Greedy“ als kurzen und prägnanten Namen vor. Kennt jemand einen reichen Philanthropen?

Tanzt, ihr Narren!

Bei all dem und wochenlangen Temperaturen jenseits der 30 Grad, wundert es nicht, wenn „der Sommerhit 2018“ mit Bella Ciao eine Hymne von Partisanen ist, in der es zu deutsch heißt:

Und falls ich als Partisan sterbe
(Und falls ich in den Bergen sterbe)
O Schöne, ciao, Schöne, ciao, Schöne, ciao, ciao, ciao!
Und falls ich als Partisan sterbe
(Und falls ich in den Bergen sterbe)
Dann musst du mich begraben

In dieser Spirale des Wahnsinns kann die Spezies Homo Sapiens Sedare, kurz „Homo Oeconomicus“, die Hymne der anarchistischen / kommunistischen / sozialistischen Bewegung singend in den Untergang tanzen. Vollkommen legitim. Noch vor 100 Jahren vollkommen undenkbar, heute vollkommen normal. Läuft bei uns. Ich halte es dann lieber mit echtem Hand…ääääh Mundwerk: Rap von Kate Tempest.

I feel the cost of it pushing my body
Like I push my hands into pockets, and softly
I walk and I see it, this is all we deserve
The wrongs of our past have resurfaced
Despite all we did to vanquish the traces
My very language is tainted
With all that we stole to replace it with this
I am quiet, feeling the onset of riot
Riots are tiny though, systems are huge
Traffic keeps moving, proving there’s nothing to do
‚Cause it’s big business, baby, and its smile is hideous
Top down violence, a structural viciousness
Your kids are dosed up on medical sedatives
But don’t worry bout that, man, worry ‚bout terrorists
The water level’s rising! The water level’s rising!
The animals, the elephants, the polar bears are dying!
Stop crying, start buying, but what about the oil spill?
Shh, no one likes a party pooping spoil sport
Massacres, massacres, massacres/new shoes
Ghettoised children murdered in broad daylight
By those employed to protect them
Live porn streamed to your pre-teen’s bedrooms
Glass ceiling, no headroom
Half a generation live beneath the breadline
Oh, but it’s happy hour on the high street
Friday night at last lads, my treat!
All went fine till that kid got glassed in the last bar
Place went nuts, you can ask our Lou
It was madness, road ran red, pure claret
And about them immigrants? I can’t stand them
Mostly, I mind my own business
They’re only coming over here to get rich, it’s a sickness
England! England! Patriotism!
And you wonder why kids want to die for religion?

Post Scriptum:

Thema Elon Musk, das Universalgenie: Mit was für einem geistig stabilen Genie wir es hier zu tun haben, dem die Investorenwelt zu Füßen liegt, steht leider immer nur in Fachblättern, selten bis nie in der Ottonormal-Journallie. Wasserstoffbomben auf die Mars-Polkappen. Fein Elon! Ganz fein!

Nebenbei, falls jetzt oder irgendwann jemand fragt: Terraforming is not going to happen! Weder auf dem Mars, noch auf dem nächsten extrasolaren Exoplaneten, „Proxima b„. Nicht mal, wenn wir dafür genügend Zeit hätten.

Terraforming auf dem Mars

Proxima b

Damit dem geneigten Leser nun nicht langweilig wird, verweise ich wärmstens, mit bestem Wissen und Gewissen auf Kassandra. Hier wird Ihren Zukunftsfantasien geholfen. Ganz sicher.

Mahalo nui loa

*mic drop*

Out

 

Wir sind (Bi)Gott.

Wow. Was für ein Shitstorm seit gestern über Mesut Özil und Ilkay Gündoğan hereinbricht. Warum? Weil sich die beiden in London mit dem Irren vom Bosporus fotografieren ließen. Und auch noch ihre Ehrerbietung für den osmanischen Sultan auf Ihre Vereinstrikots signierten. Schön blöd! Dieser Meinung kann man getrost sein. Aber den beiden die Teilnahme an der WM verweigern?! Ihnen gar die Staatsbürgerschaft entziehen?! Jogi Löw entlassen?! Der Hass, den ich in den vergangenen zwei Stunden im Netz erleben „durfte“, hat mich, jemanden der schon nicht mehr viel vom Homo Oeconomicus erwartet, doch nochmal geschockt. Respekt!

2016, kurz bevor sich Erdogan zum Babo aller Osmanen wählen ließ, war noch uns‘ Mutti, Angela I. Die Alternativlose, zu Besuch. Brachte Rüstungsgüter mit und ließ sich medienwirksam mit dem GröSaZ ablichten. Aufschrei? Nööö:

Panzer an Erdoğan verkaufen? Kein Problem!

Diese Panzer rollen in syrische Gebiete der Kurden ein?! Meeeh. Who fucking cares?

Was? U-Boote verkaufen wir dem Erdo auch noch? Naja… die Wirtschaft und so!?

Aber wehe zwei deutsche Nationalspieler stören die Vorfreude auf eine bierselige WM! Dass eben diese WM in Russland stattfindet? Geschenkt! Die nächste ist ja in Qatar. Da ist es schön warm und Sklaven™ gibt es auch nicht. Unser bundesdeutscher Kaiser hatte persönlich nachgeschaut und sich vergewissert – damals, nachdem er die WM schön sauber nach Deutschland geholt hatte.

Deutschland und die Deutschen, man muss sie einfach lieben. Aufrecht. Ehrlich. Integer. Unaufgeregt. Echt. Deutsch.

Humans Of Late Capitalism – Chapter IV

Das Verhängnis unserer Kultur ist, dass sie sich materiell viel stärker entwickelt hat als geistig.

Albert Schweitzer

Best Practices

Britannien. Gut 52% der Bewohnerinnen & Bewohner des Inselstaates kurz vor der nordwestlichen Küste des europäischen Subkontinents, der einstigen Weltmacht und Weltreich über alle sieben Ozeane, haben im Juni 2016 für einen Austritt aus der Europäischen Union votiert und somit eine „Best Practice“ gesetzt, wie man es schafft, dass Wählerinnen und Wähler ihr Kreuz voll und ganz gegen die eigenen Interessen setzen – oder eben gar keines. Die Credits gehen hier an „UKIP“ – ein Betonkopf-Verein mit einer ähnlichen Affinität zu Fake News wie unsere heimischen, selbsternannten Retter des Abendlandes von der sogenannten Alternativen für Deutschland. Mit Verlaub: Die EU ist kein Idealbild, aber sie ist das beste was wir haben und allemal besser, als der kriselnde Rest der ehemaligen Kolonialmacht, deren innere Fliehkräfte durch den „Brexit“, wie man landläufig verniedlichend sagt, deutlich zugenommen haben, denn die Schotten haben so gar keine Lust aus der EU auszutreten und die (Nord-)Iren haben zusätzlich sehr wenig Lust EU-Außengrenze zu spielen.

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Was hilft gegen dicke Luft?

…nun, die Bundesregierung macht den Vorschlag eines kostenlosen öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV).

Würden mehr Menschen den ÖPNV nutzen wäre dies sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung. Es stellt sich aber die Frage der Finanzierung. Entsprechend stößt der Vorschlag auch auf erhebliche Kritik seitens der Kommunen, die sicherlich zu Recht fürchten, am Ende alleine auf den Kosten sitzen zu bleiben. Nach Angaben von Vertretern der Kommunen müssten die durch Ticketverkäufe jährlichen eingenommenen 13 Milliarden Euro anderweitig finanziert werden. Weiterlesen „Was hilft gegen dicke Luft?“

Humans Of Late Capitalism – Chapter III

This is the end, beautiful friend
This is the end, my only friend, the end
Of our elaborate plans, the end

“BALLISTIC MISSILE THREAT INBOUND TO HAWAII. SEEK IMMEDIATE SHELTER. THIS IS NOT A DRILL.” 

Da war er! Der ganz persönliche Cold-War-Moment in meinem noch jungem Leben. Die Stimmung auf den hawaiianischen Eilanden muss legendär gewesen sein. Erkenntnis: Eine vermeintliche Atomrakete versaut dir das Frühstück! Viele Hawaiianer/innen verabschiedeten sich unter Tränen bei ihren Liebsten auf dem Festland. Doch auch die waren in heller Aufregung – die Wahrscheinlichkeit eines weitern Schlages sollte doch recht hoch gewesen sein. Nun stelle man sich vor, das faschistoide Pelzalien hätte zu diesem Zeitpunkt mal wieder gelangweilt vor der Glotze und neben seinem Biggest-Atomknopf-Ever gesessen, statt, wie so oft, im sonnigen Florida der Golferei gefrönt?

Bildergebnis für we all know where this is going to end

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Warum zahlen wir Steuern? (II)

…ja, warum eigentlich?

Schwarz/Gel(d) macht es in NRW ja gerade mal wieder beispielhaft vor. Eine Landesregierung leistet der landesweiten Steuerhinterziehung Vorschub und scheint keinerlei Interesse an der Durchsetzung geltenden Rechts zu haben.

So wurde jetzt bekannt, dass führende Mitarbeiter des Finanzamts Wuppertal in die Privatwirtschaft wechseln.

Der Hintergrund dürfte klar sein: Schwarz/Gel(d) ist die einzige Regierungskoalition, die tatsächlich ihre zwischen den Zeilen abgegebenen Wahlversprechen einhält, nämlich Konzernen und Vermögenden ihre am Fiskus vorbeigeschleusten Profite contra legem zu erhalten; zu Lasten der Allgemeinheit. Bravo! Weiterlesen „Warum zahlen wir Steuern? (II)“

Humans of Late Capitalism – Chapter I

This is the end, beautiful friend
This is the end, my only friend, the end
Of our elaborate plans, the end

Vor fast genau sechs Monaten, einen Tag nachdem ich meinen Kommentar „Wer wir sein wollen“ veröffentlicht hatte, erregte ein SPON-Artikel meinen Unmut, denn „[zum Klimaschutz] Notwendige Veränderungen werden uns als „Liste des Schrecken“ verkauft.“ Das ganze verleitete mich dann zu folgender Aussage:

„By the way offenbart das ganze die widerliche Bigotterie der letzten 18 Stunden. Ein Jonald T. Dump wird medial und politisch zerrissen, weil er tut was er immer angekündigt hat – einen großen Haufen auf den Klimaschutz setzen! Unsere Bundesregierung sonnt sich derweil im Lichte des Pariser Klimaschutzabkommens, versagt bei der Umsetzung aber auf ganzer Linie – wo wir wieder bei den Wirtschaftsinteressen sind, die über allem stehen.“

Ein halbes Jahr und eine Bundestagswahl später, stehe ich hier, ich armer Tor und bin so wütend als wie zuvor… . Was soll ich sagen? Weiterlesen „Humans of Late Capitalism – Chapter I“

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